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Beschreibung
Dschungel ist eine Serie von Kurzgeschichten, so kurz, dass sie in unserer Erinnerung ein unerklärliches Gefühl zurücklassen
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
01.01.1991
Sprache
Deutsch
EAN
9783928172080
Herausgeber
Verlag Winfried Jenior
Sonderedition
Nein
Autor
Juan Madrid
Seitenanzahl
160
Einbandart
Taschenbuch
Buch Untertitel
Grossstadtgeschichten
Übersetzt von
Andrea Cornelissen
Schlagwörter
Dschungel, Großstadt, Spanische Kurzgeschichten
Thema-Inhalt
FD - Spekulative Literatur FB - Belletristik: allgemein und literarisch
Höhe
200 mm
Breite
1 cm

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4.0
Aus 4 Bewertungen zu Dschungel
Aus 4 Bewertungen zu Dschungel
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Ein fesselnder Debütroman!
Miriam G. - Bewertet am 04.06.2019
Zustand: Exzellent
Nachdem sein bester Freund Felix aus Kindheits- und Jugendtagen spurlos im kambodschanischen Dschungel verschwunden ist, macht sich der namenlose Erzähler auf die Suche. Was folgt, ist eine lange Reise nach Backpacker Art durch das asiatische Land, immer nach der Suche nach neuen Hinweisen und Spuren. Felix und „Herr Doktor“ – ein ungleiches Freundespaar, wie es wahrscheinlich unzählige gibt. Der eine taff, abenteuerlustig und frech (Felix) und der andere eher zurückhaltend und immer zu seinem Freund aufblicken. Zwischen den Abschnitten, die „das Finden“ des Erzählers in Kambodscha beschreiben, ist immer ein Kapitel eingeschoben, welches sich (in fast chronologischer Reihenfolge) mit der Kindheit und Jugend der beiden befasst. Felix ist (vor allem zu Beginn in der Kindheit) eindeutig der dominantere der beiden, er nennt den Erzähler leicht verächtlich „Herr Doktor“, während dieser ständig überlegt, was er sagen könnte, um Felix zu beeindrucken. Die Beziehung der beiden nimmt dabei den Hauptteil des Werkes ein – nicht nur in den „Kindheitskapiteln“. Auch auf der Suche nach seinem verschwundenen Freund redet der Protagonist mit Felix in seinem Kopf – und zwar sehr häufig. Dieser Aspekt hat mit an dem Roman eher weniger gefallen, man bekommt den Eindruck, als wäre der Protagonist extrem besessen von seinem Freund – außerdem sind die imaginierten Dialoge immer inhaltlich recht ähnlich. Ansonsten sind die Personen – mit Ausnahme vielleicht von Felix Mutter, die sehr blass bleibt, überzeugend konstruiert. Friedemann Karigs Sprache ist zwar recht einfach, aber sehr fesselnd. Kurze Sätze machen es einfach, der Handlung zu folgen, sodass auch ich das Buch innerhalb weniger Tage in einem Rutsch durchgelesen habe – man möchte unbedingt wissen, wie das Buch ausgeht (auch wenn das Ende für mich nicht soo überraschend kam, wie in anderen Rezensionen beschrieben). Mit knapp 380 Seiten fällt das Buch zwar nicht sehr lang aus, dennoch hat man während und nach dem Lesen das Gefühl, die Charaktere sehr gut kennengelernt zu haben. Stichwort Konsumkritik: Vor allem im letzten Abschnitt wird die Kritik Karigs an unserem aktuellen Reiseverhalten deutlich. Menschen – vor allem junge Menschen – reisen ans andere Ende der Welt, hetzen sich dort von einem Land in das nächste, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein – eine Kritik, der ich zu hundert Prozent zustimmen kann. In vielen Rezensionen wird Dschungel als Reiseroman beschrieben. Das ist er meiner Meinung nach definitiv nicht. Die Schilderungen der Landschaft und der einheimischen Bevölkerung sind meist sehr knappgehalten, einzig die Mitreisenden werden hin und wieder ausführlich analysiert. Da sich ein Großteil der Geschichte im Inneren des Erzählers abspielt, ist Dschungeln für mich viel mehr ein typischer Entwicklungsroman, in dem sich der Protagonist sich hauptsächlich mit sich selbst auseinandersetzt. Auch das Ende, über das ich natürlich nichts verraten möchte, steht ganz im Sinne dieser Entwicklung.
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Auf der Suche und auf der Flucht
Anne H. - Bewertet am 27.05.2019
Zustand: Exzellent
Felix ist sein Freund, sein bester Freund, schon seit die beiden sieben Jahre alt waren. Eine Freundschaft, die mit einem Faustschlag begann, den der namenlose Ich-Erzähler Felix verpasst hat. Später kommt es dem Leser so vor, als ob dies vielleicht das letzte Mal war, dass er sich zur Wehr gesetzt hat. Denn diese Freundschaft ist nicht auf gleicher Augenhöhe, Felix gibt den Ton an, ist der „Bestimmer“, manchmal so sehr, dass man es kaum ertragen kann, dass man den Erzähler schütteln möchte und anbrüllen „sei nicht so passiv“, „warum tust du das“, „warum lässt du das mit dir machen“ – egal ob mit 7, 9, 11, 13 oder 15 – interessanterweise sind die Rückblenden meist in diesen zwei Jahresabständen eingestreut. Der Blödsinn, den die beiden machen, ändert sich, nie das Kräfteverhältnis, nie, wer die antreibende Person ist. Jetzt, in der Gegenwart, ist Felix verschwunden, in Kambodscha, einfach so. Und wieder sorgt er dafür, dass der Erzähler für ihn agieren muss und sich auf die Suche macht. Ein Mensch, der zuvor, und zwar genau einen Tag zuvor, erst das zweite Mal in seinem Leben geflogen ist, macht sich auf den Weg nach Südostasien. In eine andere Welt, ein heftiges Klima, in die Welt der Backpacker und Hippies und beginnt mit einer Suche am letzten bekannten Ort, von dem aus Felix sich gemeldet hatte. Und man sitzt als Leser da und schüttelt den Kopf, weil man es einfach nicht verstehen kann, dass er überhaupt aufgebrochen ist. Nach nicht mal einem Tag Vorbereitung, ohne Landeskenntnisse, ohne Plan (der Pedant in mir schreit: ohne Impfung, ohne Visum?), ohne die passende Persönlichkeit. Er ist noch nie mit dem Rucksack in einem fremden Land unterwegs gewesen, er hasst es, mit fremden Menschen zu sprechen. Was muss ihm diese Freundschaft bedeuten, dass er all das auf sich nimmt? Und angesichts der Tatsache, wie wir diese Freundschaft vorgeführt bekommen, die einem doch mehr als fragwürdig erscheint, die ausnutzend ist, mitunter einfach gemein, oder um es mit der Freundin des Erzählers zu sagen: Felix tut dir leid – im Sinne von er tut dir Leid an, ist es noch unverständlicher. Lange habe ich darauf spekuliert, dass diese Freundschaft eigentlich eine Liebesbeziehung ist, mit unausgesprochenen Konflikten. Lange habe ich gedacht, ich beginne diese Rezension in Form eines Briefes an Felix: „Lieber Felix, du schlechter Mensch (kann gerne durch ein beliebiges Schimpfwort ersetzt werden), was glaubst du eigentlich, was du da tust?“ – Und dann passiert etwas. Wenige Seiten vor Schluss gibt es eine Wendung, die alles auf den Kopf stellt, Opfer und Schuld und Verhalten und Zukunftspläne und einfach alles so dermaßen durchrüttelt, und man dann da sitzt und vollkommen anders auf vieles schaut, was man während der letzten zwei Tage gelesen hat. Ich bin ganz ehrlich, ich mochte das Buch in vielerlei Hinsicht während des Lesens überhaupt nicht. Ich konnte einfach nicht nachvollziehen, wie man sich an einen Menschen hängt, der einem so offensichtlich immer wieder schadet, einen benutzt, einfach nicht gut tut. Im Nachhinein muss ich natürlich sagen, dass, ohne diese Antipathie, die sich in mir aufbaute, mich der Twist am Ende natürlich auch nicht so knallhart erwischt hätte, in diesem Sinne ist es dann wohl doch eher Chapeau, Herr Karig, großartige Konstruktion. Im Übrigen, genau wie die Sprache des Autors, die auf mich mitunter einen ganz besonderen Sog ausgeübt hat. Karig setzt kraftvolle, plastische Bilder ein, die entweder fast körperlich erlebbar erscheinen, Farben, Klima, Geräusche, Gerüche oder Vergleiche, die man fast auf T-Shirts drucken möchte in ihrer treffenden Einfachheit, ihrer Ironie oder ihrer Intensität. Einer meiner Favoriten: „Der Nachmittag zerfloss wie warme Schokolade in der Hosentasche. Klebrig. Ohne Anfang und Ende.“ (S. 70) Fazit: Wortgewaltig, mitunter sperrig, manchmal etwas nervend aufgrund der Nicht-Nachvollziehbarkeit, großartig konstruiert. Mit einem Satz: ein überraschendes und dadurch dann umso beeindruckenderes Lesehighlight, aufgrund des Endes und der damit möglichen Re-Interpretation und zwangsläufigen Revision des während des Lesens an sich gewonnenen Eindrucks.
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Ratlos
Sabine G. - Bewertet am 04.05.2019
Zustand: Exzellent
Felix ist verschwunden. Was eigentlich ein Glück sein sollte. Denn, so erfahren wir in jeder Menge Kindheits- und Jugenderinnerungen des namenlosen Ich-Erzählers, Felix ist hochgradig manipulativ, umgarnt seinen Freund, um ihn dann immer wieder im Stich zu lassen, verbringt seine Zeit mit Klauen, obwohl er im Wohlstand lebt, nimmt Drogen, quält engagierte Lehrerinnen, beschimpft sinnlos Frauen und nutzt sie aus.... Die letzte Spur führt nach Kambodscha. Aus Gründen, die wohl nur der Protagonist und der Autor kennen, lässt sich der Erzähler von Felix' Mutter motivieren, Felix in Kambodscha zu suchen. Damit gefährdet er seinen Job und die Beziehung zur Freundin, was ihn kaum zu berühren scheint. In Kambodscha angekommen, tritt die Suche dann lange auf der Stelle. Die eingestreuten Erinnerungen haben mich nicht gepackt, zum Teil hätte ich sie gern einfach überblättert. Die Fäkalsprache nervte und Kapitel mit einer Überschrift wie "Kotze" und entsprechendem Inhalt brauche ich persönlich nicht. Mit zunehmender Zeit in Kamboscha scheint die Persönlichkeit des Erzählers immer mehr zu dissoziieren. Er redet permanent mit sich selbst und mit Fantasiefiguren. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob Felix überhaupt existiert oder er und der Erzähler eine gemeinsame, aber gespaltene Persönlichlkeit sind. Das ist raffiniert gemacht, zerrte aber auch gewaltig an den Nerven. Das große Geheimnis, dass Felix' Charaktermängel rechtfertigen soll, ist zwar traurig, aber in seiner Häufigkeit in Literatur und Film mittlerweile klischeehaft geworden. Als das Buch zu Ende war, war ich leider wirklich froh, den drogenvernebelten Gedanken der unsympathischen Protagonisten nicht mehr folgen zu müssen. Warum das Buch als eine Hymne auf das Jungsein gehandelt wird, ist mir schleierhaft. Wessen Jugend so aussieht, der kann einem nur leidtun.
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Über eine Suche und Selbstfindung
Stephanie p. - Bewertet am 26.04.2019
Zustand: Exzellent
Felix war schon immer auf der Suche nach Extremen. Somit war es auch für niemanden eine Überraschung, als er sich auf den Weg nach Kambodscha gemacht hat um das Land auf eigene Faust zu bereisen. Doch seit einigen Wochen scheint er spurlos verschwunden zu sein, was seine Angehörigen sehr verwundert und verängstigt. Aus diesem Grund macht sich der Erzähler auf den Weg nach Asien und die Suche nach seinem besten Freund. Doch die Suche gestaltet sich schwerer als gedacht und führt den Erzähler immer weiter in die Abgeschiedenheit und den Dschungel von Kambodscha. Der Erzähler riskiert nicht nur seine Beziehung sondern findet auch zu sich selbst. Denn was niemand weiß: den Erzähler und Felix verbindet nicht nur jahrelange Freundschaft sondern auch ein dunkles Geheimnis. Friedemann Karigs Schreibstil ist flüssig und sehr bildlich. Ich konnte sofort in die Handlung einsteigen und das Buch erschien äußerst kurzweilig. Allen voran die bildlichen Beschreibungen der Landschaften und des Dschungels konnten mich überzeugen, da sie bei mir großes Kopfkino ausgelöst haben. Besonders gelungen fand ich die Erzählperspektive in der Ich-Form. Dadurch hat der Leser das Gefühl selbst durch den Dschungel zu reisen und mitten in der Handlung zu sein. Im Buch wechseln sich immer wieder Kapitel rund um die aktuelle Suche nach Felix und Kapitel rund um die gemeinsamen Kindheitserlebnisse ab. Da die Kapitel nicht explizit gekennzeichnet sind war ich von den Sprüngen leider immer wieder etwas verwirrt und daher wurde mein Lesefluss immer wieder unterbrochen. Zudem gab es gerade bei den Kindheitserlebnissen leider einige unnötige Längen. Insgesamt fand ich diese wechselnden Kapitel allerdings sehr interessant, da man zu der Freundschaft der beiden Männer etwas erfahren konnte und nachvollziehen kann, weshalb der Erzähler sich auf die gefährliche Suche begibt. Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und facettenreich. Besonders gelungen fand ich die Entwicklung des Erzählers. Im Laufe des Buches hat er nicht nur seinen Freund gesucht sondern auch mehr über sich selbst erfahren. Besonders gelungen finde ich, dass einzelne Dialoge immer wieder in Englisch verfasst sind. Dies lässt die Gespräche besonders glaubwürdig und die Protagonisten äußerst authentisch erscheinen. Dennoch sind diese Dialoge so einfach gehalten, dass man ihnen auch ohne gute Englischkenntnisse problemlos folgen kann, da die Sprache ins Deutsche wechselt sobald es etwas komplizierter wird. FAZIT: „Dschungel“ ist ein wirklich lesenswerter Roman, der vor allem durch die Selbstfindung des Erzählers, die Erzählperspektive und die bildlichen Beschreibungen überzeugen kann. Allerdings gab es für mich persönlich ein paar unnötige Längen bei den beschriebenen Kindheitserlebnissen. Aus diesem Grund vergebe ich 4 Sterne!
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