Autorenporträt
Leseprobe:
Malcolm McLaren erfand den Punkrock, war verheiratet mit Vivienne Westwood und redet auch verkatert wie ein Butler in amerikanischen Filmen.
Er starrt hinter dem Tisch in der Nische hervor, als trüge ich eine Mohawk-Frisur, also richtete ich eine AK-47 auf ihn und schrie: “Eine Stimme in meinem Kopf befiehlt mir, alle Männer, die rosa Hemden tragen und Perrier mit Grenadine trinken, zu töten. Adieu …“ (Was ich stattdessen gesagt habe: „Herr McLaren, guten Nachmittag, ich bin Ihr Interviewer.“) Ich trete zurück, halte die Handflächen nach oben und wiederhole den Satz im Ton eines Polizeispezialisten, der geschult ist, Menschen auf Flachdächern von ihren selbstmörderischen Absichten abzubringen. Er entgegnet: „Sind Sie der Journalist, mit dem ich verabredet bin?“ – „Ja der bin ich …“ – „Der Journalist aus der Schweiz?“ – „Mit wie vielen Journalisten haben Sie sich im ›Café de Flore‹ um 16 Uhr verabredet, und woher kommen diese?“, denke ich, nicke aber lächelnd wie der Spezialist, bevor er den Gesprächspartner mit einem Hechtsprung von der Dachkante reißt. “lch bin fürchterlich verkatert“, sagt er. (Er ist der erste Mensch, den ich treffe, der verkatert zu früh zu einem Rendezvous kommt.)
„Wer hat Sie hierher gebracht? War es, ääähm …“ – „Ich habe den Führer des TGV nicht nach seinem Namen gefragt“, antworte ich. „War es, ääähm …“ – „Michelle war es, sie hat in Zürich eine Werbeagentur“ – „Ah, jaaah …“ (Und sie wünschte, dass ich sie erwähne, falls sie mich mit seiner Assistentin bekannt mache.) „Ich vermute, dass Ihre Assistentin Sie nicht en détail unterrichtet hat, worüber ich Ihnen Fragen stellen möchte?“ – „Nein, in der Tat nicht. Aber wen kümmert’s? Ich bin hier. Beginnen wir also mit ›Frage und Antwort‹ …“(Er werde bestimmt ein Interview geben – er liebe Aufmerksamkeit, sagte Michelle voraus.)