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Warum Waffen nicht helfen und es eine antimilitaristische Bewegung braucht

Gerald Grüneklee (Broschiert, Deutsch)

Optischer Zustand
Beschreibung
Ja, wir schreiben das Jahr 2 der neuen Kriegstüchtigkeit. 2023 sprach der beliebteste deutsche Politiker – nein, nicht Goebbels, sondern Pistorius – dieses Wort erstmals aus, und seither ist in einiges geschehen. Abgesehen von der deutschen Geschichtsvergessenheit (oder Geschichtsverdrängung), die uns nachfolgend noch mehrmals begegnen wird ist die Kriegstüchtigkeit 2.0 zwar keine Sache von…  Wochen, aber dennoch eine atemberaubend schnelle Umwälzung jener Gesellschaft, die man zu kennen meinte. Grund genug, sich diesen Veränderungen und den Potentialen des Widerstandes gegen diese einmal ausführlicher zu widmen. Dieses Buch versucht jene Fragen zu beantworten, die nicht gestellt werden (und wirft neue Fragen auf, da es sich auch als Anstoß zum Selberdenken versteht). Denn im gegenwärtigen Kriegstrommeln geht die eigentlich zentrale Frage für jedes kritisch-emanzipatorische Denken unter: wem nützt es? Womit sich dann zugleich beantwortet, wer nicht will, dass das Wissen dazu vermittelt wird. Zur Wissensverhinderung braucht es in Deutschland keine Zensur. Die Desinformation von Politik, Lobbyorganisationen und Militärwird kaum hinterfragt. Die Medien weichen vor ihrer aufklärerischen Rolle zurück und trommeln willfährig mit. Dabei liegen die Fakten im Grunde auf dem Tisch – man muss sie nur sehen wollen. Die Zusammenstellung dieser, wenn man so will, (im Verhältnis zu den offiziellen Tönen) „Gegeninformationen“ ist eine Aufgabe, der ich mich mit diesem Buch stelle. „Wir wollen die Wahrheit, die ganze Wahrheit haben/ Durch Eure Lügen ging sie uns verschütt“, so noch einmal die Schmetterlinge in ihrer Proletenpassion. Heute ist die Sichtweise modern geworden, dass es die Wahrheit nicht gibt, sondern jede*r eine eigene Wahrheit kreiere. Dieser Trend wird jedoch willkürlich ausgesetzt, wenn zu viele Menschen das mit der je eigenen Wahrheit ernstnehmen. Wenn sie das Impfen hinterfragen oder sich nicht im Namen der Staatsräson auf eine Seite der Kriegsparteien schlagen wollen. Dann werden aus den eigenen Wahrheiten fake news. Demgegenüber gehe ich den Mittelweg – jaja, ich weiß schon, in Gefahr und größter Not… Sagen wir mal, Interessengruppen schaffen sich ihre eigenen Perspektiven und setzen diese mit Narrativen in die Welt. Wer mehr Definitions- und Wirkungsmächtigkeit hat, liegt da klar vorne. Warum aber sollte man sich die herrschenden Narrative zu eigen machen, nur weil sie dominant sind? So stelle ich hier Fakten und Argumente zusammen, die hoffentlich wenigstens ein paar Menschen überzeugen mögen, dass nicht die Stimme derjenigen, die am lautesten schreien, die richtige ist. „Wir fraßen zu lange gezuckerte Lügen beim falschen Wirt/ Wir haben Euch Eure Kriege geführt/ Jetzt führen wir unsere Kriege“ (Proletenpassion). Das klingt martialisch. Aber die Kernaussage bleibt aktuell: warum sollte man sich weiter belügen und im Namen von Machthabern als Kanonenfutter verheizen lassen? Ob wir nun von Emanzipation/ sozialen Bewegungen/ Kämpfen/ Revolutionen/ Widerstand sprechen erscheint demgegenüber sekundär, wichtig ist: er geht darum, aktiv gegen das herrschende Falsche anzugehen, was beim inneren Desertieren und Nichtmitmachen beginnt: bei der Verweigerung, so zu leben, wie es in kriegstüchtigen Zeiten eingefordert wird. Angesichts des jetzigen Zustandes von Antikriegsbewegungen ist dieser Aspekt bedeutend, sind es derzeit doch nur Wenige, die sich dem Kriegstaumel aktiv entgegenstemmen. Im Nichtmitmachen kommen wir vom Fragen zur Tat Für die Verweigerung jedes Einzelnen braucht es keine Massenbewegung als Voraussetzung. Das Ziel bleibt natürlich eine gesellschaftlich wirksame kritische Masse an Menschen, die auf je eigene Art „Nein!“ sagen. Viele der hier im Buch vertretenen Positionen erscheinen angesichts der realen Verhältnisse geradezu utopisch. Doch eine humane, zukunftsfähige Utopie ist allemal einer barbarischen, zerstörerischen Realität vorzuziehen. Insofern ist dieses Buch ein Plädoyer gegen das anti-utopische Bilderverbot („es ist alternativlos“). Vielleicht beruht die Ablehnung utopischen Denkens auf einem Missverständnis, aufgrund der Gleichsetzung von „utopisch“ mit naiv, wirklichkeitsfremd oder unrealistisch, vielleicht entspringt die Ablehnung auch nur den Interessen derer, die von den herrschenden Verhältnissen profitieren und ansonsten befürchten müssten, dass ihre Pfründe schwinden. Denn dieses anti-utopische Verdikt ist seltsam selektiv: warum sind technologische Visionen denkbarer als ein Zusammenleben auf der Erde ohne Kriege? Es gilt, mit einem weiteren Missverständnis aufzuräumen: Utopien erscheinen groß, das klassische utopische Denken steckt zudem voller bis ins Kleinste ausgearbeiteter Konzepte. Der Begriff Utopie kommt aus dem Griechischen, es ist der „Nicht-Ort“, und vor diesem Hintergrund wäre die Utopie eben gerade das noch nicht – oder nie – Fertige. Damit kommen wir der Angelegenheit näher: Utopien sollten (zunächst) kleinteiliger gedacht werden und als Prozess, als Experiment – so, wie es schon jetzt auf der Erde unzählige Projekte gibt, die eine mögliche Zukunft bereits zu leben versuchen. Nicht zuletzt die israelischen Kibbuze entsprangen einem utopischen Ansatz, auch in selbstverwalteten Betrieben, alternativen Wohnprojekten, Protestcamps und Commons-Ansätzen ist er sichtbar.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
20.09.2026
Sprache
Deutsch
EAN
9783864652202
Herausgeber
trafo Literaturverlag
Sonderedition
Nein
Autor
Gerald Grüneklee
Seitenanzahl
353
Auflage
1
Einbandart
Broschiert
Buch Untertitel
Ein Antikriegsbuch

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