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★★★★★
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Familie
Petra W. - Bewertet am 15.03.2022
Zustand: Exzellent
Milla ist sehr behütet aufgewachsen, Mutter, zwei Ziehväter, Großeltern alle lieben sie über alles und haben Unheil von ihr fern gehalten. Nun ist sie mit Navid zusammen, er stammt aus Afghanistan und ist ein Kriegsflüchtling, zusammen erwarten sie ein Kind. Wer Millas Vater ist hat ihre Mutter… immer verschwiegen. Nun fragt Navid immer wieder nach, er findet es wichtig das alle Komponenten der Vergangenheit offen liegen. Denn nach seiner Erfahrung kann es nur böse ausgehen wenn es Geheimnisse innerhalb der Familie gibt. Millas Familie stammt ursprünglich aus der DDR gab es dort Ereignisse die die Gegenwart belasten, gibt es deshalb keinen leiblichen Vater?
Milla und Navid sind ein sehr junges liebenswertes Paar, wie sie mit einander umgehen; sorgsam, fürsorglich und sehr liebevoll, ist großartig aber anspruchslos. Die anderen Figuren sind dagegen vielschichtiger. Franz, Agnes, Jola, Renate, Raik usw.. Sie tragen als Ältere mit mehr Lebenserfahrung viel mehr Altlasten mit sich herum.
Dazu kommen die Themen Umweltschutz und natürlich das Leben in der DDR.
Das Buch erzählt wechselweise von dem Leben im heutigen Berlin und von den Jahren in Wolfen DDR. Die Autorin erzählt sehr emotional wie die Menschen miteinander lebten, was ihnen wichtig war und warum viele sagen es war nicht alles schlecht. Grundsätzlich muss jeder akzeptieren, dass für die Menschen, egal in welchem Teil sie gelebt haben es gute und schlechte Erfahrungen gab.
Die Geschichte ist nicht schwarz weiß, es gibt unendlich viele Grauabstufungen, das macht das Buch ungeheuer spannend.
Es zwingt uns Leser:innen sich mit unseren eigenen Gedanken und Vorurteilen auseinander zusetzen. Wir verurteilen bestimmtes Handeln, aber hätten wir es in der Situation anders gemacht?
Das habe ich an der Figur von Agnes bemerkt. Am Anfang fand ich sie kalt und absolut passend in ihrer Rolle. Doch je mehr ich über sie gelesen hatte, desto sympathischer wurde sie mir, ich bekam Verständnis für sie und konnte sie am Ende vollständig akzeptieren.
Der Themenmix war gelungen, es wurde ein weiter Handlungsbogen gespannt bis zu einem logischen versöhnlichen Ende.
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☆☆☆☆☆
Traurige Melodie
I. R. - Bewertet am 25.01.2018
Zustand: Sehr gut
Meine Favoriten in dieser Geschichte waren die beiden Brüderpaare: Ike und Bobby Guthrie sind erst neun und zehn Jahre alt. Ihre Mutter ist ganz in einer Depression gefangen und die Brüder müssen ohnmächtig zusehen, wie ihre Mutter immer weniger am Familienleben teilnimmt. Schließlich verlässt sie… die Familie endgültig, die Jungs bleiben beim Vater zurück und leiden sehr unter dem Weggang der Mutter.
Die Brüder Raymond und Harold McPheron sind beide unverheiratet geblieben und führen zusammen die Farm ihrer Eltern weiter. Mittlerweile sind sie alt und kauzig geworden. Trotz des Altersunterschieds gibt es einige Parallelen im Leben der beiden Brüderpaare: Sie versuchen gemeinsam ihr oft mühseliges Leben zu meistern und können sich ganz aufeinander verlassen. Und sie stehen oft sprachlos und unbeholfen vor den Ereignissen.
Ich habe es genossen, die Geschichten dieser Menschen aus Holt zu begleiten, auch wenn die Einsamkeit, Traurigkeit und Ungerechtigkeit manchmal schwer auszuhalten war. Schön zu wissen, dass es weitere Geschichten über die Menschen aus Holt gibt. Dieser melancholische Schreibstil, der besondere Menschen zeichnet, hat mich sehr angesprochen. Deshalb hoffe ich, dass nach dem großen Erfolg der aktuellen Bücher auch die anderen von Kent Haruf ins Deutsche übertragen werden.