Mit einem irdischen Erlösungsdrama und dezenten Science-Fiction-Elementen ließ Regiedebütant Mike Cahill in Sundance die Sonne aufgehen.
2011 war ein guter Jahrgang in Utah. Das zeigt nach "The Guard - Eine Ire sieht schwarz", "Der große Crash - Margin Call" und "Tyrannosaur" und vor "Martha Marcy May Marlene" und "Take Shelter" auch "Another Earth". Science-Fiction-Konstrukte wie gespiegelte Welten oder Paralleluniversen, die in Filmen wie "Unfall im Weltraum" (1969) oder aktuell auch im Serienhit "Fringe" thematisiert werden, sind Background für ein Drama, das um Erlösung und Vergebung kreist. Cahill selbst schrieb auch das Drehbuch, gemeinsam mit Brit Marling, die auch als Darstellerin beweist, warum sie die neue Vorzeigefrau der US-Independentszene ist. Bücher von Asimov und ein Fernrohr finden sich im Zimmer ihrer Figur Rhoda, doch den Traum von einer neuen Welt sabotiert ein tragischer Fehler in der alten. Angetrunken rauscht die Studentin in den Wagen von John (William Mapother), tötet dessen Frau und Kind. Als Rhoda vier Jahre später aus der Haft entlassen wird, hat sich ein Planet, bis hin zu jedem einzelnen Menschen eine exakte Kopie der Erde, ins Blickfeld geschoben. Das Phänomen steht für Hoffnung, als Kontrast zu "Melancholia", wo der Himmelskörper den Untergang ankündigte. Die andere Erde und die Möglichkeit, sie vielleicht sogar besuchen zu können, bietet Rhoda eine zweite Chance für ihr Leben. Doch davor bemüht sie sich um Wiedergutmachung, sucht die Annäherung an den Mann, der nach dem Tod seiner Familie wie ein Geist lebt. Aus der tragischen Note entwickeln die Autoren eine romantische, wohl wissend, dass diese die eigentliche Utopie dieser Geschichte ist. Marling und Mapother kreieren berührende Momente in dieser Beziehung, die vom Drehbuch schlüssig aufgelöst wird und in ein überraschendes Schlussbild mündet. Der darstellerische Ansatz, auf großen Gesten zu verzichten, entspricht auch dem inszenatorischen. Cahill zelebriert, wohl auch budgetbedingt, den Minimalismus, bleibt sachlich in der Bildsprache und entwickelt eine faszinierende Atmosphäre, zu der auch der Sound, der mitunter an David Lynchs frühe Filme erinnert, beiträgt. Bei all dieser Reduktion bleibt das einzig Überflüssige ein alter Herr, der als Putz-Philosoph so aufgesetzt wirkt wie die Symbolik des Reinigens, die Rhodas neues Leben dominiert.
kob.
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