Aufwรผhlendes Drama um die Rebellion straffรคlliger Jugendlicher auf einer berรผchtigten norwegischen Gefรคngnisinsel.
Mit Hรคrte und Brutalitรคt schockte Peter Mullans "Die unbarmherzigen Schwestern" รผber den demรผtigenden Alltag klรถsterlicher Erziehung im Irland der 1960er Jahre. Noch weiter zurรผck geht Marius Holst. Sein aufwรผhlendes Drama รผber das Leben straffรคlliger Jugendlicher Anfang des 20. Jahrhunderts auf der norwegischen Gefรคngnisinsel Bastoy ist ein Stรผck europรคisches Kino von einzigartiger Kraft, dass man anschlieรend erst einmal tief Luft holen muss. Unter der Knute des strengen Anstaltsleiters (Stellan Skarsgard von einer erschreckend emotionalen Kรคlte) und des Aufsehers, der ungeniert auch schon mal einen seiner Schรผtzlinge sexuell missbraucht, sollen die Jugendlichen zu besseren Menschen erzogen werden. Die meisten von ihnen hatten nie ein Verbrechen begangen, sondern stammten aus รคrmlichen Verhรคltnissen, der Staat รผbernahm die Rolle des Elternersatzes. Als der aufmรผpfige Erling auf die Insel kommt, der jemanden getรถtet haben soll, und sich gegen Demรผtigungen wehrt und die anderen aufstachelt, kommt es im unerbittlich kalten Winter zur Rebellion.
Auf der Basis einer wahren Begebenheit erzรคhlt Marius Holst von einer verloren Jugend,
die ihre Zukunft schon hinter sich hat und von Gewalt und Gegengewalt in einem vom zivilen Leben hermetisch abgeriegelten brutalen Mikrokosmos, in dem Nummern individuelle Namen ersetzen. Die Festlegung auf zwei charismatische Hauptfiguren im emotionalen Zentrum des Films sorgt fรผr klare Strukturen, Identifikationsmรถglichkeiten und groรe Empathie - auf der einen Seite der Neuankรถmmling und Aufrรผhrer, der seinen Fluchtplan rigide verfolgt, und auf der anderen ein Junge, der kurz vor der Entlassung steht, diese nicht gefรคhrden will und schweigt, erst sehr spรคt Position bezieht. Vor wuchtiger Naturkulisse und in monochromer Farbgebung, die erst gegen Ende von krรคftigeren Farben abgelรถst wird, spielt sich das Drama um Machtmissbrauch und Sehnsucht nach Freiheit ab, und visualisiert damit nicht nur die Kรคlte auf der Insel, sondern auch die in den Seelen, die sich erst nach und nach durch Freundschaft, Solidaritรคt und (vergebliche) Hoffnung menschlichen Empfindungen รถffnen. Die jungen Darsteller, grรถรtenteils Anfรคnger oder Laien, sind mehr als รผberzeugend. Besser kann Kino nicht sein. mk.
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