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Beschreibung
Auf eben diese Erschütterung führt Kächelen den gegenwärtigen Tätowierungsboom zurück, denn deren Folge ist kollektiv wie individuell- bewusst oder unbewußt - Orientierungslosigkeit. D.h. indem uns die selbstverständlichen Gewissheiten unserer abendländischen Tradition und Kultur abhanden gekommen sind­ - Alternativen sind nicht in Sicht und es spricht einiges dafür, dass es dabei bleiben wird - , ist uns gewissermaßen der archimedische Punkt abhanden gekommen. Ohne einen solchen archimedischen Punkt aber, resümiert Kächelen, ohne Orientierung, die auf verbindliche, letztgültige Grundannahmen zurückgeht, ist nicht zu leben. Und eben die sog. Stammesgesellschaften - ganz im Gegensatz zu den postmodernen Gesellschaften der westlich geprägten Gesellschaften im 20. Jahrhundert - hatten die Wahrheit, nicht zuletzt indem sie die Grundannahmen ihrer psychologischen, sozialen wie kultuellen und gesellschaftlichen Wirklichkeit dem Körper einschrieben. Nach eben solchen verbindlichen Grundannahmen verlangen wir "Postmodernen", wenn wir bei der Tätowierung Zuflucht suchen.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
01.03.2004
Sprache
Deutsch
EAN
9783832225742
Herausgeber
Shaker
Serien- oder Bandtitel
Berichte aus der Sozialwissenschaft
Sonderedition
Nein
Autor
Wolf P Kächelen
Seitenanzahl
442
Auflage
1
Einbandart
Taschenbuch
5.0
Aus 1 Bewertungen zu Tatau und Tattoo
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Zeichen der Orientierungslosigkeit
Fritz G. - Bewertet am 31.12.2025
Zustand: Exzellent
Das Buch „Tatau und Tattoo: Eine Epigraphik der Identitätskonstruktion“ von Wolf-Peter Kächelen (erschienen 2004 im Shaker Verlag) ist eine sozialwissenschaftliche Studie zum Phänomen der Tätowierung. Es unterscheidet zwischen „Tatau“ (der traditionellen, rituellen Tätowierung in polynesischen Kulturen, z. B. in Samoa) und „Tattoo“ (der modernen, westlichen Form der Körperverzierung). Der Autor analysiert den Boom der Tätowierungen in der westlichen Gesellschaft seit den 1990er Jahren als Symptom einer tiefgreifenden Krise der Identität und Orientierung der postmodernen Gesellschaften. Kächelen argumentiert, dass der Verlust traditioneller Gewissheiten der abendländischen Kultur (z. B. durch Säkularisierung und Individualisierung) zu einer kollektiven und individuellen Orientierungslosigkeit führt. Tätowierungen dienen dabei als eine Art „Epigraphik“ – als Inschriften auf der Haut –, mit denen Menschen versuchen, sich eine stabile Identität zu schaffen oder zu markieren, wenn feste archimedische Punkte (verbindliche Werte und Grundannahmen) fehlen. Im Gegensatz zu medizinischen, psychiatrischen oder kriminologischen Ansätzen beleuchtet das Buch das Thema aus soziologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Der Autor hat später eine Rückschau verfasst („Tatau and Tattoo Revisited“), in der er die Thesen als weiterhin aktuell beschreibt und den Tätowierungsboom sogar als Vorzeichen gesellschaftlicher Krisen sieht. Es handelt sich um eine akademische Arbeit, die den modernen Tattoo-Trend als Ausdruck von Identitätssuche in einer orientierungslosen Gesellschaft erklärt.
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