"Mein Name ist Bond, James Bond, den Rest kennen Sie!" Wer so lakonisch selbstbewuรt im Trailer sein neuestes Abenteuer ankรผndigt, ist sich einer groรen Fangemeinde sicher, die auch den 18. Kinoeinsatz der Kult-Doppelnull als gelungen verbuchen wird. Bonds wie immer auch auf intimer Ebene ausgetragenes Duell gegen einen Medienmagnaten, der zur Vergrรถรerung seines Machtnetzes Krieg zwischen China und Groรbritannien schรผrt, ist technisch perfekter inszeniert als der Vorgรคnger "Goldeneye" und darf, auch dank einer relativ hohen Trefferquote amรผsanter Oneliner, mit einem รคhnlich hohen Zuschauerzuspruch rechnen.
"Der Morgen stirbt nie" beginnt mit dem traditionellen Action-Entree vor den Titeln, in dem Bond am Khyber-Paร Waffenschiebern das Geschรคft verdirbt und nach einer riskanten Jet-Jagd durch zerklรผftetes Bergterrain einen Killer im Nacken per Schleudersitz in die Maschine รผber ihm katapultiert. Den Feind hat er abgeschรผttelt, aber die Zuschauer am Hals, denn zu Sheryl Crows Titelsong folgen diese amรผsiert in die gewohnt elegante, von rรคkelnden Silhouetten-Girls dekorierte Creditsequenz. Danach werden ohne viel Aufhebens die Fronten in dieser 100 Mio. Dollar teuren Materialschlacht zugewiesen. Auf der einen Seite der macht- und profitgierige Medienmogul Eliott Carver (Jonathan Pryce, zuletzt Juan Peron in "Evita"), der mit seinem fรผrs Radar unsichtbaren U-Boot einen mรถglichen Krieg zwischen Groรbritannien und China schรผrt, um dann im neu-revolutionรคren Reich der Mitte exklusive Medienrechte zu erhalten. Natรผrlich hรคlt der britische Geheimdienst von einem solchen Alleingang nichts und schickt seinen besten Mann ins Rennen gegen die Zeit, bevor militรคrische Hohlkรถpfe ihr Recht auf Kriegsspiele einfordern. In Hamburg stellt Bond schlieรlich rasant den Kontakt zu Carver und dessen Frau, Bonds ehemaliger groรer Liebe, her. Ein relativ kurzer Auftritt von Teri Hatcher ("Zwei Tage L.A."), die im Unterschied zu ihrem Fernseherfolg als Lois Lane hier ihren Supermann nicht halten kann. Bonds Zorn nach Hatchers tรถdlicher Ausmusterung muร Vincent Schiavellis witzig-selbstverliebter Killer ausbaden, von dem man gerne mehr im Film gesehen hรคtte. Carvers Schmutz erledigt statt dessen Gรถtz Otto als gebleichter Terminator - eine Hommage an Lotte Lenyas Prรผgelknaben Red Grant in "Liebesgrรผรe aus Moskau". Obwohl nicht ohne destruktives Talent, kann Otto Famke Janssens Charisma aus "Goldeneye" allerdings nicht das Wasser reichen. Das eigentliche Bond-Girl, die chinesische Agentin Wai Lin, ist schon durch die filmische Vergangenheit von Hongkong-Star Michelle Yeoh ein Gegenentwurf zum passiven Modepรผppchen und liefert sich mit Mitstreiter Bond ritualisierte Kรคmpfe um die Fรผhrung beim Action-Tanz. Bei der Leistungsschau von Bonds ferngesteuertem BMW (dem besten Gimmick des Films) in einem Hamburger Garagenlabyrinth, bei der 007 (zum vermutlich schweigenden Entsetzen von Q) seinen kindlichen Spieltrieb voll auslebt, ist Yeoh nicht mit von der Partie. Wohl aber bei der turbulenten Motorrad-Hetzjagd รผber die Gassen und Dรคcher Saigons, in deren Anschluร Yeoh ihr vom Film nicht ausgeschรถpftes, athletisches Kampf-Talent zeigen darf. Frauen haben es รผberhaupt schwer mit diesem รผberaktiven und dominanten Bond, der bis auf amourรถse Kurzeinsรคtze bei Hatcher und einer dรคnischen Affรคre keine Zeit fรผr sein liebstes Hobby findet. Weil wieder einmal Moneypenny mit dem besten Oneliner des Films ("you always were a cunning linguist") zur Eile mahnt. Und so werden auch im Kino die Zuschauer-Millionen nicht lange auf sich warten lassen. kob.