Bevor demnรคchst der 150 Millionen Dollar teure "Herr der Ringe" an den Start geht, kann es nicht schaden, den Blick auf die Anfรคnge der Karriere des Regisseurs Peter Jackson zu lenken. Dort lauert im verborgenen ein Sf-Horrorkleinod, welches bisher aus guten Grรผnden von einer Verรถffentlichung im Lande der Schere verschont blieb. Jetzt, im neuen Jahrtausend und mit dem potentiellen Fantasy-Ereignis des Jahrzehnts in Sichtweite, ist die Zeit reif fรผr den schlechten Geschmack.
Vor einem guten Jahrzehnt, als das Horrorgenre zumindest Fachfremdlingen fรผr mausetot galt und Hollywood sich anschickte, auf die hedonistischen, unkritischen Hits der Achtziger die noch seichteren Konsumklamotten der Frรผhneunziger folgen zu lassen, sprangen einige bis dato unbekannte Filmemacher von der sรผdlichen Erdhalbkugel in die Bresche und versorgten das anspruchsvolle Genrepublikum in Europa mit exotischen Genรผssen bisher unbekannter Art. Aus Hongkong fanden die frรผhen Gangsterfilm-Meisterwerke von John Woo und Ringo Lam den Weg auf die Szene-Festivals, aus Japan folgten Manga bzw. die Techno-Alptrรคume des "Tetsuo"-Regisseurs Shinya Tsukamoto, und zum allseits favorisierten Liebling der Horrorfans geriet der neuseelรคndische Kunststudent Peter Jackson mit seinem auf abenteuerlichste Weise selbst produzierten, ebenso kruden wie hochgradig unterhaltsamen Splatter-Slapstickmeilenstein "Bad Taste".
Der Inhalt dieses nach "Plan 9 From Outer Space" mutmaรlich zweitbilligsten Alien-Invasionsfilms aller Zeiten ist in zwei Sรคtzen leicht zusammengefaรt: Auรerirdische auf Nahrungssuche stellen fest, dass Menschenfleisch exakt ihren Bedรผrfnissen entspricht und erรถffnen einen extraterrestrischen Schnellimbiss irgendwo in der neuseelรคndischen Provinz. Ein Geheimdienstkommando im Auftrag ihrer Majestรคt, der Kรถnigin des Commonwealth, bereitet dem blutigen Spuk daraufhin ein ebensolches Ende. Es platzen die Kรถpfe, spritzen die Innereien und fliegen die Gliedmaรen, dass es eine Art hat, und wer in den frรผhen Neunzigern das Glรผck hatte, eine der seltenen "Bad Taste"-Kinoauffรผhrungen live zu erleben, kam sich vor wie in eine Fuรball-Fankurve versetzt. Auf den Gรคngen drรคngelten sich jubelnde Menschen, Freundinnen saรen auf den Schรถรen der Freunde, damit mehr Platz im Kino war, kurz, jeden Brandinspektor hรคtte augenblicklich der Schlag getroffen.
Es steht nicht zu erwarten, dass sich dergleichen bei der nunmehr anstehenden, offiziellen Deutschlandpremiere des Filmes wiederholt, doch in Zeiten, in denen die berรผhmten K-Worte jedem Hundehaufen รผber zehn Zentimeter Hรถhe zugedacht werden, ist es schon ganz erfreulich, ein ausnahmsweise echtes Exemplar der Gattung Kult/Klassiker in angemessener Form gewรผrdigt zu sehen. ab.