Archaisches 3D-Natur-Abenteuer um die dramatische (Über)Lebensgeschichte eines kleinen Dino-Waisen in der Kreidezeit.
Die nach dem aktuellen Stand der Forschung lebensecht computeranimierten Dinosaurier vor realen, beeindruckenden Landschaften - gedreht wurde in Neuseeland - orientieren sich nicht an kitschiger Niedlichkeit, sondern bebildern in bester Natur-Doku-Tradition einen genuinen Überlebenskampf. Der immer wieder gefühlvolle, dramatische und epische "Tierfilm" eignet sich für die gesamte Familie.
Aus der TV-Natur-Doku-Serie "Die geheimnisvolle Welt der Dinosaurier" (bei uns auf Super-RTL) ging ein Franchise hervor, das in seiner Heimat Südkorea ungemein populär ist und in dieser Kinoversion gipfelt. Aus der Sicht eines im Vollmondschein aus dem Ei geschlüpften Tarbosaurus (dessen Knochenfunde auf der koreanischen Halbinsel 1996 ein wahres Dinofieber auslösten) entfaltet sich die naturalistische Lebensgeschichte von Speckles, dessen Haut dem Namen nach markant gesprenkelt ist. Er tritt als erklärender Ich-Erzähler auf, dessen lockere Kommentare gut versteckte Didaktik beinhalten: Sie sind informativ, ohne zu belehren.
Das Nesthäkchen einer Fleischfresserfamilie wird, als der rivalisierende Tyrannosaurus Rex Einauge seine Eltern und Geschwister in einem wahrhaften Bambi-Moment tötet, zum Waisen, der sich mühsam vom unteren Ende der Nahrungskette hocharbeitet und vom hungernden Eierdieb zum selbstbewussten Jäger reift. Mit Leidensgenossin Azura trifft er früh eine Verbündete, die zur Partnerin wird, mit der er eine Familie gründet - bis die rachsüchtige Nemesis Einauge sie erneut dezimiert. Dazwischen liegt ein Exodus vor einem infernalischen Vulkanausbruch, dem Vorboten einer kommenden Klimakatastrophe.
In mehreren Zeitsprüngen raffen Han Sang-ho, Regisseur der Originalserie, und sein Effektexperte Min Byeong-cheon ("Phantom - The Submarine") die körperliche Entwicklung des Jägers zum König der prähistorischen Wälder. Zahlreiche Vertreter von 17 Dino-Arten, mithin nicht nur die üblichen Verdächtigen wie T-Rex und Velociraptoren, sind erstklassig animiert, wenn auch nicht immer gut in die Umgebung eingepasst - sichtbar aber nur in Actionszenen. Dazu imponieren die urzeitlich anmutenden Panoramen - von vulkanischen Mondlandschaften, glazialen Tälern, schroffen Felsküsten bis tropischen Paradiesen. Han hat seine straff geführte Dramaturgie gut im Griff, beschreibt mitfühlend Familienglück und tragisches Leid, lässt Tierlaute statt Stimmen erklingen und verzichtet auf vermenschlichte Mimik. Teilweise ist das technisch brillant seine Möglichkeiten ausschöpfende, semi-dokumentarische Abenteuer düsterer, starker Tobak, aber durch Erläuterungen (und einige Schnitte) entschärft. Ein spektakulärer Jurassic Park, der keine menschlichen Akteure braucht, um zu fesseln. tk.
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