"Twilight"-Star Robert Pattinson erobert Ende des 19. Jahrhunderts als charmanter Verführer die Herzen der Pariser Damenwelt.
Ein attraktiver Mann, der sich nach oben in die Gesellschaft schläft, war weder im 19. Jahrhundert noch ist im 21. eine Seltenheit. So hat Guy de Maupassants Klassiker "Bel Ami" von 1885 nichts an Aktualität verloren, bereits Willi Forsts bizarre Verfilmung sorgte 1939 für Furore. Die Hauptrolle mit dem von der Frauenzeitschriften-Klientel mehrmals zum "sexiest man on the planet" gewählten Robert Pattinson zu besetzen, könnte ein guter Schachzug sein, auch ein jugendliches Publikum für die etwas angestaubte Belle Epoque zu interessieren. Dem weiblichen Kreischfaktor auf der Berlinale nach sollte das jedenfalls gut gelingen. Pattinson beisst nicht, sondern küsst als mittelloser Georges Duroy die Damen der Gesellschaft um den Verstand, die bald alles für ihn tun. Der arme Schlucker kommt ohne Beruf oder Vermögen nach Paris und haust in einer bröckeligen Mansarde. Aber er verfügt über drei wichtige Dinge: Sexappeal, Charme und den unbeugsamen Willen nach Anerkennung, Reichtum und Ruhm. Erst einmal führt ihn ein alter Kamerad aus der algerischen Militärzeit in die High Society ein und in die Redaktion eines liberalen Oppositionsblattes gegen die korrupte Regierung. Den Weg zum Ziel ebnen ihm drei Ladies - Madeleine, die Gattin seines Freundes, die in seinem Namen das "Tagebuch eines Soldaten" verfasst und ihm so Meriten verschafft, obgleich er selbst nur ein kümmerlicher Schreiberling ist, (und ihn nach dem Tod des Ehemannes ehelicht), die junge Clotilde, die ihn aufrichtig liebt, und die spröde Madame Rousset, Frau des Chefredakteurs, die ihm nicht widerstehen kann und für seine Wiedereinstellung bei der Zeitung sorgt. Pattinson fehlt in dem bestens ausgestatteten Kostümfilm mit großem Schauwert ein wenig der "Biss", er wirkt manchmal wie ein Fremdkörper, zumal ihm ein Wechsel in der Mimik schwer fällt. Gegen schauspielerische Schwergewichte wie Uma Thurman (Madeleine), Kristin Scott Thomas (Madame Rousset) und gegen Christina Ricci (Clotilde) hat er keine Chance, zumal kaum nachzuvollziehen ist, was diese tollen Weiber an dem berechnenden und rüden Kerl finden, der zu guter letzt auch noch das jungfräuliche Töchterlein von Monsieur und Madame Rousset zum Traualtar führt. Wer will, kann Parallelen ziehen zum heutigen Celebrity-Business, zum ewigen Spiel um Macht und Sex, das die Jahrhunderte überdauert. Genießen sollte man die Opulenz von "Bel Ami" und die Performance der Schauspielerinnen, wahrlich ein Vergnügen. mk.