Ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem kasachischen Dorfbewohner und einer französischen Weltraumtouristin.
Der magische Realismus, das Abgehobensein von der Wirklichkeit und die Märchenhaftigkeit von Momenten, darin liegen Veit Helmers Stärke. Und gerne verschlägt es ihn in ferne Welten. In Aserbaidschan drehte er "Absurdistan", diesmal hat es ihn ins absurde Kasachstan getrieben, an den weltgrößten Raketenstartplatz in Baikonur, wo vor 50 Jahren Juri Gagarin zum ersten bemannten Flug ins All startete.
Nicht weit davon in der Steppe liegt ein kleines Dorf bewohnt von Schlitzohren, die Weltraumschrott sammeln, um ihn gegen Lebensmittel einzutauschen. Der junge Funker Iskander, genannt "Gagarin", errechnet genau, wo die Raketenteile landen. "Was vom Himmel fällt, darf man behalten", nach diesem Gesetz gehören den Armen die abgebrannten Raketenteile. Und als die schöne französische Weltraumtouristin bei der Rückkehr auf die Erde ihm fast vor die Füße fällt, bekommt diese Regel eine ganz neue Bedeutung. Da die Schöne sich an nichts mehr erinnert, darf "Gagarin" ein bisschen in Romantik schwelgen und vorgeben, sie sei seine Verlobte - bis die Lüge ans Tageslicht kommt.
"Baikonur" ist Nostalgie pur - nach dem einfachen Leben (auch wenn die Menschen darben), dem frugalen Mahl, dem traditionellem Frauenbild und dem naiven Gutmenschen, der an die Liebe glaubt. Das irrationale Verhalten verpackt Helmer in schöne Bilder verziert mit Poesie und der Idealisierung einer kleinen Gemeinschaft. Nicht Verstand oder Logik prägt das Verhalten der Figuren, sondern Realitätsferne, Chuzpe und Blauäugigkeit. Da schaut man gerne zu, wenn der Steppenmann für das Himmelsgeschenk eine riesige Badewanne in die Jurte bringen lässt ohne jeglichen Wasseranschluss.
Helmer konfrontiert die Kälte des wissenschaftlichen Kosmos mit der Herzenswärme der Einheimischen und gerät dabei gefährlich nah an die Folklore- und Kitsch-Falle. Aber er schaffte es, nicht nur als erster einen Spielfilm im Weltraumzentrum von Baikonur zu drehen, sondern auch einen russischen Schauspielstudenten, einen usbekischen Popstar und ein französisches Model vor der Kamera zu versammeln. Chapeau! mk.
Hersteller: AL!VE AG, Von-Hünefeld-Str. 2, Köln, 50829, kontakt@alive-ag.de