Urkomische wie berührende Tragikomödie um die Entjungferung eines an Kinderlähmung leidenden Mannes - mit Helen Hunt als extrem entspannte Sex-Therapeutin.
Auf den ersten Blick mag die Geschichte eines Mannes, der wegen seiner Kinderlähmung ans Bett gefesselt ist und den Großteil seines Lebens in einer Eisernen Lunge verbringen muss, nicht unbedingt für ein breites Publikum prädestiniert sein. Doch Ben Lewin versteht es meisterhaft, auch ein so genanntes Tabuthema massenkompatibel aufzubereiten, ohne dabei in falsches Pathos oder Gefühlsduselei zu verfallen. Der aus Polen stammende Regisseur, der vor knapp 20 Jahren mit der skurrilen Komödie "Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch" auf sich aufmerksam machen konnte, beschäftigt sich in "The Sessions" nicht von ungefähr mit Kinderlähmung, leidet er doch selbst unter dieser Krankheit, wenn auch in einer nicht ganz so ausgeprägten Form wie der Journalist und Dichter Mark O'Brien, auf dessen Erlebnissen dieser Film basiert, genau genommen auf dem Artikel "On Seeing A Sex Surrogate", in dem O'Brien mit viel Witz und Selbstironie beschreibt, wie er im Alter von 38 Jahren seine Unschuld an eine Sex-Therapeutin, die auf solche besonderen Fälle spezialisiert ist, verlor. Lewin konzentriert sich denn auch auf diese entscheidende Episode im Leben seines Protagonisten, was zwangsläufig dazu führt, dass es dem Film an einer dramaturgisch ausgereiften Struktur mangelt. Dieses Manko wird jedoch durch mehrere Faktoren wettgemacht. Da wäre etwa die ausgeklügelte Balance zwischen urkomischen und tieftraurigen Momenten - für die ersteren steht der von William H. Macy verkörperte Pfarrer, der sich mit großer Begeisterung für Marks Liebesleben interessiert und dessen "unkeuschen" Plänen letztlich auch den göttlichen Segen gibt. Letztere Augenblicke manifestieren sich insbesondere in der klassischen Amour fou zwischen Patient (empfiehlt sich für den Oscar: John Hawkes) und Therapeutin, die in einem von O'Briens ans Herz gehenden Liebesgedichten zum Ausdruck kommt. Und schließlich ist da noch Helen Hunt, die mit großem Mut und fernab von allem Hollywood-Glamour eine darstellerische Meisterleistung zeigt, die sie nicht nur mental, sondern auch körperlich Grenzen überschreiten lässt. Allen an diesem Projekt Beteiligten ist es letztlich zu verdanken, dass hier ein Nischenthema die Chance erhält, ein wenig mehr als die übliche öffentliche Aufmerksamkeit zu erhalten, indem es mit den Mitteln des Mainstreamkinos aufbereitet wurde. lasso.