Die deutsch-luxemburgisch-amerikanische Koproduktion "The Musketeer" verspricht, den bereits mehr als ein dutzendmal verfilmten Klassiker "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas so zu zeigen, wie man die Geschichte bislang noch nie gesehen hat. Dafรผr wurde Hongkong-Stuntchoreograph Xin-Xin Xiong (Tsui Harks "Time And Tide") verpflichtet, der die furiosen Degenduelle mit รถstlicher Kampfkunst aufmotzte, wobei der Einsatz von wippenden Leitern, rollenden Weinfรคssern und schwindelerregend langen Turmseilen groร geschrieben wird. So fundamental ist der Beitrag des Bewegungszauberers, dass selbst die hochkarรคtige Besetzung und Regisseur Peter Hyams ("End Of Days") in der US-Werbekampage zugunsten des Hongkong-Veteranen in den Hintergrund verbannt wurde.
Dumas' Vorlage wurde von Drehbuchautor Gene Quintano neu interpretiert. Er beginnt mit einem Prolog, in dem die Eltern des kleinen D'Artagnan vor seinen Augen vom teuflischen Febre (Tim Roth spielt seinen x-ten Bรถsewicht mittlerweile schon auf Autopilot) grausam ermordet werden. 14 Jahre spรคter ist er in der ansehnlichen Gestalt des ehemaligen Calvin-Klein-Models Justin Chambers (spielte J. Lo's unerhรถrten Verehrer in "Wedding Planer") zum jungen Mann herangereift und mit seinem Mentor Planchet (Jean Pierre Castaldi erfรผllt wenig mehr als die Funktion eines urig anzusehendes Setzubehรถrs) macht er sich von der Provinz auf den Weg nach Paris, um den Musketieren beizutreten und endlich den Tod seiner Eltern rรคchen zu kรถnnen. Unterwegs bekommt er in einer Spelunke erstmals Gelegenheit, seine formidablen Fechtkรผnste unter Beweis zu stellen. In Paris angekommen, macht D'Artagnan die Bekanntschaft des jungen Zimmermรคdchens Francesca ("American Beauty" Mena Suvari) - darรผber hinaus Vertraute der Kรถnigin (eine unterbeschรคftigte Catherine Deneuve) - und verliebt sich prompt in die schlagfertige holde Maid. Fรผr die romantische Komponente ist somit gesorgt, aber auch der eigentliche Plot wird vorangetrieben, als der junge Held die drei Musketiere kennenlernt - mehr noch als in der respektlosen Variante von Richard Lester aus dem Jahr 1973 (neben der Hollywood-Variante mit Gene Kelly von 1948 immer noch die gelungenste Adaption des nicht tot zu kriegenden Abenteuerstoffs) werden sie als resignierte Trunkenbolde skizziert und sind bestenfalls fรผr die ein oder andere Pointe zustรคndig. So ist es denn in erster Linie der Titelheld, der die langatmig ausgerollte politische Intrige am Kรถnigshof zerschlรคgt und im Grand Finale das entscheidende Duell mit seinem Erzfeind Febre ausficht.
Hauptdarsteller Chambers wirkt sympathisch und ist nett anzusehen und gleicht damit seinem Kollegen Chris O'Donnell, der 1993 in "Die drei Musketiere" die gleiche Rolle รผbernahm. Leider verfรผgt er jedoch auch รผber eine รคhnlich unauffรคllige Leinwandprรคsenz, was in einigen sonst starken Momenten spรผrbar ist. So lastet das Gewicht auf bereits erwรคhnten Actionmomenten. Obwohl beeindruckend choreographiert, zeigt der wie stets auch die Kamera fรผhrende Regisseur Hyams nicht immer das nรถtige Gefรผhl fรผr den Raum, in dem sich die furiose Action abspielt - ein Problem, das den ganzen Film plagt: Ganz nah dran bedeutet nicht immer, dass man sich als Zuschauer mittendrin fรผhlt. Gerne wรผrde man die Duelle beobachten, wie man die Kรคmpfe in "Tiger & Dragon" erlebte, doch vieles geht im frenetischen Schnitt unter. Obwohl blendend ausgestattet, ist der Versuch "Fechtkunst meets KungFu" also nur bedingt als gelungen zu bezeichnen. Mit der entsprechenden Vermarktung sollte es dennoch gelingen, die angestrebte MTV-Generation fรผr den Film zu begeistern. ara.