Die Qualitรคten des Schauspielers Tom Hanks sind auch die Merkmale seines Regiedebรผt, das der zweifache Oscar-Gewinner und Publikumsliebling obendrein eigenhรคndig verfaรte: Charme, Aufrichtigkeit und Wรคrme zeichnen "That Thing You Do" aus, Hanks' melancholisches "American Graffiti", in dem er die kurze Erfolgsgeschichte der Beatles-artigen Garagenband "The Wonders" im Jahr 1964 beschreibt, von ihren bescheidenen Anfรคngen bei einem Talentwettbewerb bis zur plรถtzlichen Auflรถsung nach einem triumphalen Auftritt in einer national ausgestrahlten TV-Show.
Hanks ist die Manipulation von Geschichte nicht fremd: In "Forrest Gump" stolperte er durch mehr als 30 Jahre amerikanische Historie, die Filmemacher Robert Zemeckis nach Belieben zurechtbog. Jetzt bemรคchtigt sich Hanks der frรผhen sechziger Jahre auf รคhnliche Weise - hรคtte Scorsese nicht schon einen Film mit eben jenem Titel realisiert, "Zeit der Unschuld" trรคfe den Nagel auf den Kopf. In pastellfarbene Tรถne getaucht, erweckt der Regisseur die Space Age als eine รra des Aufbruchs und der Hoffnung, frei von Gefahren und Bedrohungen. Die naive, fast schon surreale Bodenstรคndigkeit von Hanks' liebevoll geschaffener Good clean fun-Welt irritiert nur anfangs: Schnell fรผhlt man sich pudelwohl in dieser unverschรคmt gut gelaunten Hommage an die unbesungenen Garagengruppen Amerikas, die im Zuge der Poprevolution der Beatles den Ruhm eines Hits genossen, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Die fiktiven Wonders mรถgen stellvertretend stehen fรผr Bands wie die "Standells" oder "Shadows" of Knight. Im Sommer 1964 landen sie mit ihrem "That Thing You Do" einen Hit, nachdem der Ersatz-Schlagzeuger Guy, ein besessener Jazzfan, das Lied aus Langeweile doppelt so schnell spielt wie geplant. Auf lokale Berรผhmtheit folgen ein Plattenvertrag, eine Tour und schlieรlich der Ruf Hollywoods. Hanks findet fรผr den Aufstieg und plรถtzlichen Fall der Wonders einen รคhnlich unbekรผmmerten Stil wie Richard Lester fรผr den ersten Beatles-Film "Yeah, Yeah, Yeah" aus eben dem Jahr 1964, der hier in einer schรถnen Collagensequenz zitiert wird. Der Song "That Thing You Do", ein enthusiastischer, kleiner Popsong im Stil der frรผhen Fab Four, dient als Leitmotiv: Achtmal wird er im Verlauf der Handlung angestimmt, und jedes Mal klingt er anders: erst bescheidener Lovesong, dann euphorischer Stampfer und schlieรlich รผberproduzierte Hรผlse - ein Symbol fรผr den stetigen Verlust der Unschuld der Wonders. Wรคhrend Bandmitglied Lenny (komisches Talent: Steve Zahn) und ein namenlos bleibender Bassist fรผr die Lacher sorgen, bildet das Dreieck zwischen dem arrogant-ambitionierten Songschreiber Jimmy (Johnathon Schaech aus "The Doom Generation"), dessen hingebungsvoller Freundin Faye (Liv Tyler erneut als Stealing Beauty) und Drummer Guy Hanks, der sich selbst eine kleine Rolle als aalglatter Manager gegeben hat, favorisiert beim Kampf um das Mรคdchen Guy. Kein Wunder: Tom Everett Scott, den man bestenfalls aus der TV-Serie "Grace Under Fire" kennt, sieht aus wie Hanks zu "Big"-Zeiten - und hat ein รคhnlich unbedarftgewinnendes Wesen. Das darf man dem gesamten Film attestieren: Denn obwohl weder Story neu noch ihr Ausgang รผberraschend sind, trifft Hanks, der fรผr Gastauftritte Ehefrau Rita Wilson, Produzent Jonathan Demme und Rockstar Chris Isaac gewinnen konnte, mit รผberraschend sicherer Hand einen Nerv: Sehr viel beschwingter kann Eskapismus kaum sein - und das ist ein groรes Kompliment. ts.