Liebevoll, weitgehend kindgerecht animiertes Märchen mit pädagogischen Untertönen um eine Giraffe, die auf verschlungenen Wegen von Afrika nach Paris gelangt.
Eine Giraffe, die der ägyptische Vizekönig Muhammad Ali Pascha dem französischen Regenten Karl X. im Jahr 1827 zum Geschenk machte und die in der Seine-Metropole seinerzeit eine regelrechte Giraffomanie auslöste, inspirierte das französische Regieduo Rémi Bezançon und Jean-Christophe Lie zu "Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa".
Im Herzen Afrikas nimmt ihr Zeichentrickmärchen seinen Anfang, unter einem Affenbrotbaum sitzt ein alter Mann, der einer Gruppe von Kindern eine Geschichte erzählt. In deren Mittelpunkt steht der Waisenjunge Maki, der mit List und Mut dem Sklavenhändler Moreno entkommt, sich mit der kleinen Giraffe Zarafa und dem edlen Wüstensohn Hassan anfreundet und bald darauf mit den beiden im Ballon des Luftschiffers Malaterre nach Paris unterwegs ist.
Einen Film über unser wichtigstes Gut, die Freiheit, hatte Bezançon nach eigenen Angaben im Sinn - und nebenbei soll die Arbeit der Grundschulzielgruppe Werte wie Freundschaft und Treue vermitteln. Ohne erhobenen Zeigefinger geschieht das, vielmehr setzen die Filmemacher auf Humor, der streckenweise durchaus - etwa in der Zeichnung des trotteligen französischen Monarchen - hintersinnig ausfällt. Diese "pädagogischen" Momente kommen wohl dosiert zum Einsatz, insgesamt stehen wie bei jedem Animationsfilm auch hier Spannung und Spaß im Vordergrund. Dafür sorgen, unter anderem, ein wild kackendes Flusspferd, ein buddhistisches Kuhpaar, Sirtaki tanzende Piraten und ein redseliger arabischer Händler, der zum entsprechenden Preis wohl auch die eigene Großmutter verkaufen würde.
Sechs Monate brauchte man für das Zeichnen der Storyboards, acht Animationsstudios waren an der Herstellung dieses Films beteiligt, der sich aus rund 150.000 Zeichnungen zusammensetzt. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat. Visuell "zerfällt" das in sorgfältig komponierten Scope-Bildern gestaltete Werk in zwei Teile. Die erste Hälfte, die in Afrika, auf dem Mittelmeer und in Marseille spielt, ist durch viel Licht und kräftige Farben gekennzeichnet, in Paris wird der Grundton düsterer - die Stadtbeschreibungen von Charles Dickens kommen einem sofort in den Sinn. Die erwachsenen Figuren erinnern an die von Sylvain Chomet, mit dem Lie bei "Das große Rennen von Belleville" zusammengearbeitet hat, die Kinder scheinen eher dem Universum Hayao Miyazakis ("Prinzessin Mononoke") zu entstammen. Musikalisch perfekt untermalt wird die Handlung von Laurent Perez' epischem Score, der sich am Soundtrack-Meilenstein zu "Lawrence von Arabien" orientiert. geh.