Nach die "Drei Räuber" folgt die nächste Tomi-Ungerer-Adaption, die noch viel mehr ist als ein fantasievoller, lehrreicher und intelligenter Animationsfilm für kleine und große Kinder.
Tomi Ungerer ist ein Genie, als Illustrator pflegt er einen einfachen, dennoch fantasievollen und stets individuellen Pinselstrich und als Texter bringt er das Kunststück fertig, originelle Geschichten zu erzählen und gleichzeitig lehrreiche Botschaften mit augenzwinkerndem Humor und auf sympathische Weise zu transportieren. In Stefan Schesch, der bereits Ungerers "Die drei Räuber" produzierte, hat er in punkto Animation und Tonalität das perfekte Sprachrohr gefunden, wenn es darum geht, seine Werke für die Leinwand zu adaptieren. "Der Mondmann" erzählt zunächst mehrere Parallelhandlungen - eine Tochter fährt mit ihrem Vater durch die Nacht, ein despotischer Präsident sucht, nachdem er die ganze Welt erobert hat, nach neuen Herausforderungen und der Mondmann, der sich schrecklich langweilt, beschließt, auf die Erde herabzusteigen. Am Ende lösen sich die einzelnen Erzählstränge auf und münden in eine Geschichte, an deren glücklichen Ende der finstere Präsident bestraft wird, der Mondmann dank der Hilfe des skurril-genialen Erfinders van der Dunkel nach Hause (selbst E.T. kann hier in Sachen Putzigkeitsfaktor nicht mithalten) zurückkehrt und es so ermöglicht, dass alle Kinder wieder friedlich schlafen können.
Was auf den ersten Blick kindlich wirken mag, ist in Wirklichkeit eine in schöne Bilder verpackte philosophische Abhandlung über das Leben im Allgemeinen ("allein ist man schneller, aber zu zweit kommt man weiter") und Werte wie Freundschaft und Vertrauen im Besonderen ("Das Herz ist da, wo du mich als Freund spürst") abgehandelt und elementare Kindermund-Fragen wie "Wo ist eigentlich die Nacht, wenn es Tag ist?" beantwortet werden. Schesch lässt sich Zeit mit dem Erzählen, lässt seine Tableaus länger stehen, sie auf den Betrachter wirken, und trennt sie durch lange Schwarzblenden. Er braucht keine Action oder schnelle Schnitte, Spannungen ergeben sich aus seinem kuriosen Figuren-Panoptikum schon genug. Zudem spielt der Animationsspezialist zwei weitere Trümpfe aus. So findet er mit einem Score, der zum einen das Kinderlied "Der Mond ist aufgegangen" leitmotivisch einsetzt, zum anderen mit Evergreens wie "Moon River" sowie psychedelischen Klängen und Jazz-Stücken überrascht, die perfekte Unterstützung für sein farbenfrohes Schauspiel. Zum anderen verleihen große deutsche Schauspieler, die sich auch als Synchronsprecher bereits Meriten verdient haben - allen voran Katharina Thalbach, die ihrem Mondmann quasi das Sprechen beibringt, und Ulrich Tukur als machthungriger Diktator ("Es gibt immer etwas zu erobern") - ihren Charakteren Tiefe, Prägnanz und Glaubwürdigkeit. Das macht diesen intelligenten, unkonventionellen und herrlich verspielten (Kinder)film letztlich zu einem außerordentlich großen Vergnügen für nahezu alle Altersklassen. lasso.