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★★★★★
☆☆☆☆☆
Das mit Abstand schlechteste Buch, das ich je gelesen habe...
Vielleser - Bewertet am 01.02.2016
Zustand: Sehr gut
Ich schreibe sehr selten Kommentare zu den Büchern, die ich lese. Wenn mich ein Buch aber derartig nervt wie "Der stille Sammler", dann muss ich meinen Ärger einfach loswerden.
Ich habe gar nichts dagegen, mir hin und wieder Trivialliteratur zu Gemüte zu führen – wenn sie flüssig und spannend und… in sich logisch geschrieben ist. Bei Becky Mastermans „armseligem Machwerk“ - anders kann man diesen Tiefpunkt auf dem Trivial-Sektor nicht klassifizieren - trifft nichts davon zu. Platt und ohne jegliches psychologische Feingefühl ihren Charakteren gegenüber schreibt sie in einem Stil auf niedrigstem Niveau, der einen fragen lässt, wozu man überhaupt Lesen gelernt hat. Nicht genug damit, tischt Masterman hier einen Mist auf, den man nicht unwidersprochen lassen kann:
- Da wird uns eine FBI-Agentin präsentiert, die nach vermeintlicher jahrelanger Berufserfahrung derart dumm und unbeholfen agiert, dass jeder Mensch mit gesundem Hausverstand nur den Kopf schüttelt. (Aus dem, was über ihre Arbeit beim FBI vor der Pensionierung hervorgeht, dürfte sie auch in ihrer aktiven Zeit keine allzu große Leuchte gewesen sein; allein wie hier eine - rückblickend beschriebene - FBI-Aktion in den Sand gesetzt wird, dürfte einigermaßen gut ausgebildeten FBI-Agenten nicht passieren.
- Es gibt keinen Spannungsbogen, der einen am Lesen hält - zwischenzeitlich tritt der so genannte Thriller immer wieder auf der Stelle.
- Ein Gefühl der latenten Bedrohung - wie es z.B. bei zwei Klassikern des Genres der Fall ist, „Das Schweigen der Lämmer“ und „Roter Drache“ von Thomas Harris - kommt erst gar nicht auf.
- Die wie aus dem Hut hervorgezauberte Auflösung des Falls, ohne sich allzu sehr mit der Motivation des Täters aufzuhalten, erfolgt bereits im 48. Kapitel (ab Seite 343). Danach muss man sich noch 54 Seiten weiterquälen, bis man das Buch endlich als „literarischen Sondermüll“ entsorgen kann. (Ein kleines Zugeständnis an meine Ungeduld: Die letzten Seiten habe ich quergelesen.)
- Die dumpfe „Auge um Auge, Zahn um Zahn“-Mentalität der Protagonistin - wahrscheinlich ist Becky Masterman überzeugte Anhängerin der Todesstrafe - ist, bei aller Widerwärtigkeit des Täters, auch nicht einfach zu ertragen. Wenn Masterman wenigstens schreiben könnte! (Wozu Masterman im Übrigen Rat bei diversen Experten auf dem Gebiet forensischer Fachliteratur eingeholt hat - wie im Klappentext beschrieben - erschließt sich mir auch nicht. Inhaltlich ist davon jedenfalls nicht allzu viel zu bemerken.)
- Und dann wäre da noch die Beziehung der Protagonistin, die sie durch ihr realitätsfremdes Verhalten auf so unbegreifliche Weise gefährdet, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Mag sein, dass der miserable Schreibstil der Übersetzung geschuldet ist - ich hätte das Buch jedenfalls bereits in dieser Hinsicht nach knapp 30 Seiten am liebsten ins Eck gepfeffert. Aber dann hätte ich wohl das Recht verwirkt, mich dazu zu äußern. Ich möchte hier keine Details verraten, denn es mag Menschen geben, denen das Buch vielleicht gefällt bzw. die sich eine eigene Meinung bilden wollen. Anspruchsvolle Leser möchte ich nur vorwarnen, dass sie das Geld für dieses Buch vielleicht besser in ein anderes „Werk“ investieren sollten. Ich habe es zum Glück hier bei reBuy für wenig Geld gekauft; sieht man von der vertanen Zeit ab, hält sich der Verlust also in Grenzen.
Was hätte man darüber hinaus aus der Ausgangssituation nicht alles machen können. Allein die „Route 66“ mit ihrer Geschichte hätte einiges hergegeben, das man subtil in den „Thriller“ hätte einarbeiten können. Aber hier dient die "Route 66" als billige Kulisse für einen "billigen" Schundroman - sie kommt praktisch nicht vor.
Für mich steht fest: Die Autorin - oder sagen wir besser: Schreiberin - verdient keine zweite Chance. Ihr "Nachfolgeprodukt" werde ich daher zu meiden wissen.