Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter ist in Nico Hofmanns urbaner Tragödie plausible Konsequenz seelischer Vereinsamung und verletzter Herzen. Die aus explosiver Mischung von Verzweiflung und Attraktion gespeiste Faszination eines Polizisten für eine Mordverdächtige führt zu einer einfühlsamen Milieu- und Menschenstudie, ist in ihrer Hoffnungslosigkeit aber eine Herausforderung für die aktuellen Sehgewohnheiten des deutschen Kinopublikums.
"Solo für Klarinette" beginnt mit der Erwartung eines Thrillers - mit einer Leiche, die den Zorn des Mörders nicht nur am Penis des männlichen Opfers drastisch ausstellt. Als Kommissar Kominka (Götz George) am Schauplatz der Aggressionsexplosion eintrifft, erregt eine Frau sein Interesse, die er instinktiv mit dem Mord in Verbindung bringt. Als er durch Beschattung tiefer in deren Privatsphäre eindringt, macht Regisseur Hofmann (arbeitete mit George bereits an dem beachtlichen TV-Thriller "Der Sandmann") trotz extremen Breitwandformats eher intime Absichten deutlich. Auch wenn Fragen nach des Mörders Identität bis zum Ende gestellt werden, als Optionen neben Corinna Harfouchs Figur Anna auch Barbara Rudnik (als Ex-Frau des Ermordeten) ins Spiel gebracht werden, konzentriert sich diese Verfilmung eines Romans der New Yorker Psychoanalytikerin Elsa Lewin nicht auf die Enttarnung des Täters, sondern seelischer Zustände. Schwerpunkt dabei der nur für seinen Beruf lebende, ihn immer wieder auch als Fluchtmöglichkeit nutzende Kominka, der - von seiner Frau verlassen - längst auch die Nähe zum geistesgestörten Sohn verloren hat. Wie der Polizist ist auch seine Hauptverdächtige eine vereinsamte, von der Liebe verletzte Seele, mit der sich Kominka verwandt fühlt, ohne je wirklichen Zugang zu erhalten. In der Rolle der Anna bestätigt Corinna Harfouch, die man guten Gewissens die deutsche Helen Mirren nennen darf, abermals ihre Klasse. Götz George dagegen, erwiesenermaßen einer der besten Darsteller des deutschen Films, steht zu sehr unter Dampf, wirkt mitunter zu laut und expressiv, auch wenn es die Situation mutmaßlich nicht zwingend erfordert (etwa im Verhör Nikolaus Parylas). Der Eindruck, daß weniger mitunter mehr bedeutet hätte, stellt sich auch in den Sexszenen ein, in denen Kominkas unterdrückte Spannungen sich spürbar aggressiv entladen. So plausibel dies psychologisch auch sein mag, bringt es "Solo für Klarinette" ungewollt ins Revier von "Basic Instinct", zu dem sich inhaltlich ohnehin schon Parallelen ergeben. Vom Comic-Ton von Verhoevens Trash-Hit ist Hofmanns Film freilich so weit entfernt, wie Catherine Tramell von menschlichen Gefühlen. kob.
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