Sacha Gervasis biografisches Drama zeigt den Master of Suspense als gesitteten Ehemann und gelangweilten Künstler auf der Suche nach Erneuerung.
Wie Orson Welles war Alfred Hitchcock eine überlebensgroße Persönlichkeit und selbst der breiten Öffentlichkeit als kugeliges Original mit sehr speziellem Humor bekannt. Erstmals ist der Regietitan, von Anthony Hopkins in Gestik und Körpersprache gut nachempfunden, selbst Hauptfigur eines Films. Mit Hitchcock als schwarzhumoriger Mord-Kommentator, eine Verbeugung vor den Kult-Auftritten in seiner TV-Anthologie "Alfred Hitchcock präsentiert", eröffnet Gervasis Film. Dieses Intro führt den berüchtigten Serienmörder Ed Gein nicht nur als Folie für Norman Bates in "Psycho", sondern auch als Repräsentation der dunklen Seiten Hitchcocks ein, die nur in seinen Filmen ein Ventil fanden. Ein ungewöhnlicher Drehbuchkniff, der Gein in Hitchcocks Träumen mehrfach auftauchen lässt, aber letztlich keinen Nachweis liefert, wie abgründig der Meister vielleicht wirklich sein konnte.
Die Titelfigur ringt hier nicht mit Dämonen, sondern Beziehungsalltag, zeigt sich kindlich verspielt, wenn sie jenseits des häuslichen Rückzugsgebiets mit diabolischer Freude schockieren und manipulieren kann. Von Ehefrau Alma Reville, die seine Filme als Mitautorin und kreative Ratgeberin qualitativ veredelt, wird Hitchcock mit Loyalität belohnt, obwohl er obsessive, unausgesprochene und unerwiderte Affären mit sinnlich-kühlen Blondinen pflegte - und empfindlich reagieren konnte, wenn einmal Auserwählte, wie etwa Vera Miles, Familienglück über Traumkarriere stellten.
Vorlage für "Hitchcock" war Stephen Rebellos bekanntes Sachbuch über den schwierigen Entstehungsprozess seines riskantesten Projekts, von "Psycho". Dieser jedoch bleibt nur gestreifter dramaturgischer Hintergrund - vom Projektbeginn bis zu den Auseinandersetzungen mit der Zensur. Im Fokus steht Hitchcocks Beziehung zu seiner Frau und der beiden eigene, zutiefst britische Humor, der in den gemeinsamen Wortduellen für die witzigsten Momente sorgt. Das Insiderische, so gern es Cineasten vielleicht gesehen hätten, beschränkt "Hitchcock" auf das Nötigste und kann auf Stars wie Hopkins, Helen Mirren oder Scarlett Johansson in der Rolle von Janet Leigh bauen, aus einem interessanten, aber doch speziellen Stoff das Maximum an amüsantem Entertainment herauszuholen. kob.
Hersteller: Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany, Darmstädter Landstr. 114, Frankfurt am Main, Deutschland, 60598, germany@fox.com