Nach "Underground", mit dem er 1995 in Cannes die Goldenen Palme gewann, wollte Emir Kusturica eigentlich mit der Filmerei aufhören. Zu sehr ärgerte ihn der Vorwurf, sich nicht genug von serbischer Politik zu distanzieren. Doch dann packte ihn die Lust am Drehen wieder, aus einem kleinen Dokumentarfilmprojekt entwickelte sich in Zusammenarbeit mit der französischen Produktionsfirma Ciby 2000 und Pandora Film ein wildes und anarchisches Werk über das Zigeunerleben", das angesichts des dürftigen Wettbewerbs zurecht den Silbernen Löwen für die Beste Regie erhielt.
Am Anfang stand die Idee, eine Dokumentation über die Zigeuner Musiker aus "Underground" zu erstellen. Doch irgendwann erfand der in Sarajevo geborene Regisseur eine skurrile Geschichte von einem Großvater, der am Vorabend einer arrangierten Hochzeit stirbt und mit Eis "zwischengelagert" wird, um das Unternehmen nicht zu gefährden. Denn die Brautleute wollen nichts voneinander wissen: Um Schulden auszubügeln, soll Matkos Sohn Zaro die Tochter des örtlichen Mafiosi Dadan mit dem entzückenden Namen Afrodita heiraten. Nur ist Zaro in eine andere verliebt und auch Afrodita hat nichts mit den frisch Angetrauten im Sinn. Deshalb hilft er ihr bei der Flucht, auch wenn er sich damit den Zorn des Brautvaters zuzieht. Wie im Märchen findet dann doch letztendlich jeder Topf den richtigen Deckel. Und in der Not können als Trauzeuge auch zwei Katzen dienen, eine schwarze und eine weiße.
Film Maniac Kusturica bläst zum Angriff auf die Sinne. Der Comic-Liebhaber knallt ein Cartoon auf die Leinwand und bevölkert sie mit den urigsten und eigenartigsten Typen seit Fellini. In rasantem Tempo und boulevardesker Manier vermischt er Kitsch, Folklore und populären, manchmal vulgären Humor, würzt seine pfeffriges Sinti-Süppchen mit einer Prise Anarchie und Anachronismus. In dieser ländlichen Märchenwelt ist alles möglich - fressen Schweine ein Auto, steht der Großvater von den Toten auf, jonglieren Gangster locker mit Handgranaten, fällt der Böse ins Plumsklo und erhalten die Gerechten den verdienten Lohn. Aus fast viertausend Sinti suchte sich Kusturica bei diesem 4 Mio-Dollar-Projekt die passenden Laiendarsteller aus, nur die Hauptrollen sind von Profis besetzt. Bei dem furiosen Tanz auf dem Vulkan entfesselt er mit Kameramann Thierry Abogast ("Das fünfte Element") einen grenzenlosen Bildersturm, schnorrt lustvoll bei amerikanischen Filmvorbildern und läßt keine Heilige Kuh ungeschlachtet. "Black Cat, White Cat" ist eine deftige Mischung aus Komödienstadl und comédie humaine, eine filmische tour de force, die dem Zuschauer Futter gibt. Manchmal wirkt das laute und grelle Spiel wie ein Befreiungsschlag des in Frankreich lebenden Kusturica. Mochte auch der eine oder an der Kritiker in Venedig ob des permanenten Trommelfeuers zusammenzucken, das Publikum amüsierte sich und ehrte den Filmemacher mit Standing Ovations. mk.
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