Packendes Drama um Schuld und Sรผhne, erlesen besetzt mit einem gewohnt brillant agierenden Denzel Washington, der mit seinen inneren Dรคmonen ringt.
Nach wegweisenden Motion-Capture-Filmen, wie "Die Legende von Beowulf", kehrt Oscar-Preistrรคger Robert Zemeckis ("Forrest Gump") zur Live-Action zurรผck. Mit Schuld und Sรผhne setzt er sich in "Flight" auseinander und erweist sich in Sachen Katastrophenkino ebenso stilsicher wie in der Schilderung eines persรถnlichen Dramas. Im Mittelpunkt steht Captain Whip Whitaker - Denzel Washington kooperiert erstmals mit Zemeckis -, ein Getriebener in Sachen Alkohol, Frauen und Drogen. Die Gattin hat sich von ihm getrennt, der Teenagersohn ist ihm fremd. Allen privaten Turbulenzen zum Trotz ist er als Pilot ein Ausnahmekรถnner- und dies beweist er, als er mit einer vรถllig manรถvrierunfรคhigen Maschine eine kontrollierte Bruchlandung schafft.
Dem kurzen, fรผr US-Verhรคltnisse freizรผgigen Opener, in dem Whitaker sich mit einer Stewardess in einem Motelzimmer vergnรผgt, folgt der Katastrophenflug. Einem Kampfjet gleich startet er sein Flugzeug durch eine heftige Gewitterfront. Selbst abgebrรผhten Meilensammlern sollte es da den Magen umdrehen. Nur ein Vorspiel zur Luftrolle mit der er anschlieรend den Totalcrash vermeidet. Meisterlich getimt und geschnitten ist diese Sequenz, der ein hartes Melodram mit quรคlend realistischen Szenen aus dem Trinkeralltag folgt. Lediglich sechs Tote gibt es unter den 102 Passagieren und Besatzungsmitgliedern zu beklagen. Der Pilot, leicht verletzt, wird als Held gefeiert. Da findet die Flugsicherungsbehรถrde im Wrack zwei kleine Flรคschchen Wodka - und das obwohl der Bordservice eingestellt war. Whitaker muss sich einem Untersuchungsausschuss stellen.
Differenziertes Schauspielerkino ist nun angesagt. Der zweifache Oscar-Preistrรคger Denzel Washington ("Glory", "Training Day") paart Leinwandprรคsenz, Charisma und Kรถnnen, macht aus dem Teufelspiloten eine Filmfigur, die nahe am Leben angesiedelt ist und dennoch ein mythischer Leinwandcharakter bleibt. Bestens unterstรผtzt wird er von seinen Co-Stars, gestandene Charaktermimen allesamt, darunter Don Cheadle als mit allen Wassern gewaschener Anwalt, John Goodman als Whips polternder Pusher-Kumpel, der fรผr den Krankenhausaufenthalt ein paar Pornomagazine mitbringt, und die drogensรผchtige Kelly Reilly ("Sherlock Holmes"), in der Whitaker eine Seelenverwandte findet.
"Who am I?" - "Wer bin ich?", um diese zentrale Frage kreist die vielschichtige Arbeit, deren Titel sich sowohl mit "Flug" wie auch "Flucht" รผbersetzen und entsprechend mehrdeutig lesen lรคsst. In allen technischen Bereichen vorzรผglich gestaltet, sticht besonders die Kameraarbeit von Don Burgess ("The Book of Eli") ins Auge, der exakt die "trรผben" Bilder schafft, mit der Whip wohl die Welt sieht. Etwas รคrgerlich ist der konziliante Schluss, der wohl dem Wunsch nach einem typischen Hollywood-Ending geschuldet ist - dies kennt man aus รคhnlich gelagerten Filmen wie etwa Billy Wilders "Das verlorene Wochenende". geh.