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Beschreibung
Tel Aviv, März 1984 Wir befinden uns in der Lobby des luxuriösen Hilton Hotels, im Zentrum der Strandpromenade einer der modernsten Städte der westlichen Welt. Außer uns befinden sich in diesem Hotel noch ung. 400 Ärzte und Wissenschaftler, die per Flugzeug aus 29 Ländern gekommen sind, um an der vierten Tagung der internationalen Föderation der Verbände für den öffentlichen Gesundheitsdienst teilzunehmen. Auch diesmal, wie so oft in der Vergangenheit, handelt es sich um eine Beratung über die Förderung der Gesundheit in der Dritten Welt. Man hört viel „Hallo“, „How do you do“ und „Was haben Sie/Du eigentlich seit der letzten Konferenz in. getan, oder war es die Konferenz in. ? Gott, wie die Zeit davonläuft!“. Es handelt sich zum großen Teil um alte Bekannte, die sich seit vielen Jahren und aus vielen Konferenzen sehr gut kennen, und sich zwischen einem Häppchen Kaviarbrötchen und einem Schluck Champagner sehr angeregt über den katastrophalen Zustand der Gesundheit in den so genannten „Entwicklungsländern“ unterhalten. Sie kamen mit viel Aufwand aus allen Enden der Erde, um wieder aufs Neue zu überzeugen und sich überzeugen zu lassen, dass die Gesundheit der Bevölkerung dieser Länder sich in einer katastrophalen Lage befindet, und dass alles, was in der Dritten Welt in Bezug auf Gesundheit unternommen wurde und auch in Zukunft unternommen wird, von vorne herein zum Scheitern verurteilt ist, dass das, was war, auch weiterhin so bleiben wird. (Und das hat sich auch bewiesen. Die Zahlen aus dem Jahre 2004 sind genau wie die von 1984 ) Wie gesagt, handelt es sich offiziell um eine Beratung von Experten, für die die verschiedenen Regierungen viel Geld ausgegeben hatten, das sie sich eigentlich nicht leisten konnten, und von der man viel erwartet hatte. Die Botschaft all der Vorträge, die in den schönsten Sälen eines der teuersten Hotels der Welt gehalten wurden, war allerdings immer wieder dieselbe: „Trotz aller schönen Pläne und trotz aller Bemühungen, wurde keines der erwünschten Ziele auch nur annähernd erreicht „ und dann erklärte man in allen Einzelheiten die Gründe dieser Misserfolge. Die Pläne waren natürlich immer wunderbar, aber immer war etwas oder jemand schuld an ihrem Scheitern. Es war niemals etwa die Schuld der Pläne oder derjenigen, die sie ausgearbeitet hatten. Die Verantwortung lag immer bei denjenigen, die aufgefordert waren sie auszuführen, ohne dass man sie natürlich je gefragt hatte, ob sie überhaupt ausführbar waren. Wofür gebe es denn sonst Experten? Außerdem gab es immer noch das so genannte „Force Majeur“ Diesmal gab es aber eine Überraschung, eine Ausnahme. Plötzlich erschien eine Gruppe von unbekannten Ärzten, von Neuankömmlingen über die niemand vorher etwas gehört hatte, und berichtete über fast unglaubliche Erfolge. Was die Sache noch unglaublicher machte, war die Tatsache, dass es sich dabei nicht um internationale Experten handelte, sondern um arabische Ärzte, aus dem, durch Israel besetztem, Gazastreifen. Sie waren auch weder von Übersee angeflogen noch wohnten sie im Hilton Hotel. Sie kamen in klapperigen alten Wagen, erzählten ihre Geschichten und ähnlich wie in dem Märchen von Aschenbrödel, verschwanden sie wieder am Ende der Sitzungen. Sie kamen nicht um sich für Misserfolge trösten zu lassen, weder hatten sie die Zeit andere zu trösten. Sie waren Stolz auf dass, was sie erreicht hatten, und außerdem mussten sie ja wieder zurück zu ihren Patienten fahren. Und was für Geschichten erzählten sie: Dass im Gazastreifen 96 % der Kinder schon seit einigen Jahren regelmäßig alle Impfungen, die von der WHO vorgeschrieben waren, bekommen, und dass sie damit das Ziel, das für das Jahr 2000 vorgesehen war, 20 Jahre früher erreicht hatten. Sie erzählten auch über anfängliche Misserfolge, und wie sie daraufhin neue Methoden entwickelt hatten und so alteingesessene Krankheiten wie Kinderlähmung und Masern ausgerottet hatten, und dass es die israelischen Behörden waren, die ihnen das Geld dafür zu Verfügung gestellt hatten. Sie berichteten weiterhin, dass es ihnen in nur 10 Jahren gelungen war die Kindersterblichkeit von 140 per 1000 Neugeborenen auf 28 zu senken, sodass Kinder nun dort nicht mehr „einfach so“ starben wie sie es früher taten, als die Bevölkerung noch glaubte, dass das Allahs Willen wäre. Sie erzählten aber nicht nur, dass es ihnen gelungen wäre, 100,000 zum Tode verurteilte Kinder zu retten, sondern auch über die Methoden, die dieses, dass sich fast wie ein Wunder anhört, ermöglicht hatten. Wie es ihnen gelungen war, nicht nur die Bevölkerung voll zu beteiligen, sondern sogar das religiöse Establishment voll einzuspannen, sodass alle bereit waren mit den Behörden voll zu kooperieren. Dann kam noch ein Bericht über die Erfolge der Behandlung von Geisteskranken, die weit besser waren, als diejenigen, die je im Westen erreicht worden waren. Die Geschichten waren so unglaublich, dass am nächsten Tag eine Gruppe von Teilnehmern, unter der Leitung der Gründerin der tropischen Kinderheilkunde, der damals 93 Jahre alten Lady Cicely Williams, nach Gaza fuhr, um sich das Wunder anzusehen - es hätte sich doch auch um israelische Lügenpropaganda handeln können.Es war aber keine Propaganda, und Lady Cicely, die schon sehr viel in ihrem Leben gesehen hat, war so tief beeindruckt, dass sie allen erklärte: “Ich war hier im Jahre 1966, und es war der schlimmste Ort, den ich je besucht hatte. Was hier geschehen ist, kann nur als ein Wunder angesehen werden!“ Es war aber kein Wunder, sondern das Resultat der Zusammenarbeit eines israelischen Arztes, der sein Leben als deutscher Flüchtling begonnen hatte, und einer Gruppe von Palästinensern, die immer noch Flüchtlinge waren. Ein „Wunder“, das durch eine Zusammenarbeit von Feinden für eine bessere Zukunft entstanden ist, und sich auf menschliche Würde und die Möglichkeit von Versöhnung basiert hatte. Über die Geschichte dieses Arztes wird in diesem Buch berichtet.
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Technische Daten


Erscheinungsdatum
18.05.2007
Sprache
Deutsch
EAN
9783937957654
Herausgeber
Neue Welt Verlag
Sonderedition
Nein
Autor
Eli Lasch
Seitenanzahl
284
Auflage
1
Einbandart
Taschenbuch
Buch Untertitel
Dr. Eli Lasch - Vom Flüchtling zum Arzt der Flüchtlinge

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