Australiens Antwort auf "Dreamgirls" präsentiert sich als engagierter Gute-Laune-Film über Soul und Sisters.
Der Traum vom Aufbruch in ein anderes Leben, der vier Frauen als Girlgroup ins Showgeschäft der Sixties führt, weckt unweigerlich Assoziationen an "Sparkle" oder "Dreamgirls", streift im musikalischen Schwerpunkt und dramaturgischen Bauplan aber auch Filme wie "Commitments" oder sogar "M.A.S.H.". Vietnam als einer der Schauplätze und der gesellschaftspolitische Kontext, dass hier ein Quartett von Aborigine-Frauen, die sich nicht nur in ihrer Heimat mit unverblümten Rassissmus konfrontiert sehen, auf Karrierekurs geht, markieren das Originelle im Vertrauten.
Auf einer wahren Geschichte und einem Jahrzehnte später folgenden Theaterstück basiert dieser Film, der trotz des historischen Streifzugs vor allem Entertainment sein will und auch ist. Tatsächlich waren es zwei Schwestern, die 1968 in Vietnam von einem US-Truppenlager zum anderen zogen, um auf der Bühne als Soulsisters die GIs vom Kriegsgrauen abzulenken. Dieses verschweigt "The Sapphires" nicht, konzentriert sich aber auf die romantisch-musikalischen Erfahrungen seiner Heldinnen, die hier von einer dritten Schwester und einer Cousine ergänzt werden. Von den ersten Auftritten als Kinder, über ihr bescheidenes Outback-Leben im Kreis ihrer Familien, bis hin zu ihrem größten Abenteuer in Vietnam begleitet das Regiedebüt von Wayne Blair dieses Quartett - in einer Zeit, in der Aborigines gerade erst das Wahlrecht erhalten hatten, aber unverändert wie Aussatz behandelt wurden.
Diese Erfahrungen, zu denen auch die ihren Familien entrissenen, bereits in "Long Walk Home" thematisierten Mischlingskinder zählen, könnten bei einigen Beteiligten durchaus persönlich sein, ihre eigenen Familien traumatisiert haben. Ein Aspekt, der, vermutet oder wahr, die Darstellungen intensiviert, gerade auch von Deborah Mailman in der Rolle der ältesten Schwester. Sie ist als dominante Powerglucke die Seele, der Ire Chris O'Dowd als abgehalfterter, aber liebenswerter Manager das komische Herz und Jessica Mauboy, Finalistin der Casting-Show "Australien Idol", die umwerfende Stimme dieses Films, der mit vielen gut choreografierten Songs aus dem Motown-Repertoire mitreißt - und dies schon auf einigen Festivals unter Beweis stellte. kob.
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