In dieser deutsch-chilenischen Koproduktion zeigt Regisseur Matías Bize ("Sábado - Das Hochzeitstape"), dass man sich in einer einzigen Nacht näher kommen kann als in einer langen gemeinsamen Beziehung.
Männer sind anders, Frauen aber auch: Soweit dürfte Konsens herrschen. Das einzige, was sie wirklich verbindet, trennt sie gleichzeitig auch: Sex. Zwischen dem Sex findet statt, was man Beziehung nennt. Manchmal dauert diese Beziehung bloß eine Nacht und ist trotzdem ungleich intensiver als alles, was sich bei anderen Paaren in Jahren abspielt. Davon handelt dieser Film.
"En la Cama" (zu deutsch: im Bett) haben die Chilenen Julio Rojas (Buch) und Matías Bize (Regie) ihr auf diversen Festivals ausgezeichnetes Werk genannt, ein Titel von beinahe rührender Bescheidenheit und trotzdem so treffend wie nur möglich, zumindest hinsichtlich des Handlungsortes: Die Geschichte trägt sich in einer einzigen Nacht in einem Hotelzimmer zu; größtenteils sogar bloß im Bett. Daniela und Bruno (Bianca Lewin, Gonzalo Valenzuela) haben sich am Abend zuvor kennen gelernt auf ein hitziges Abenteuer eingelassen. Doch aus dem "One Night Stand" entwickelt sich mehr. Erst reden sie über Gott und die Welt, dann entblößen sie auch ihr innerstes Selbst, bis sie einander schließlich besser kennen als ihre jeweiligen Partner.
Das klingt nach viel Dialog, und in der Tat wird eine Menge geredet in diesem auffallend sorgfältig synchronisierten Film (Buch und Regie der deutschen Fassung: Erik Paulsen). Weil Daniela und Bruno aber auch immer wieder über einander herfallen, gibt es auch eine Menge Sex, und zwar in einer derart offenherzigen Art, wie man sie im so genannten Arthaus-Film eher selten zu erblicken pflegt. Um so reizvoller ist der Kontrast, wenn sich die beiden anschließend in tiefschürfenden Gesprächen ergehen. Selbst diese Passagen aber sind nie langweilig, weil Bize die Dialoge zumindest zu Beginn kurzweilig gestaltet, indem er mitten im Satz die Szene wechselt: Gerade lagen Daniela und Bruno noch auf dem Bett, da befinden sie sich nach einem Schnitt in der Badewanne, setzen ihr Gespräch aber nahtlos fort.
Hat die Unterhaltung zunächst noch Smalltalk-Charakter, um die unvermeidbaren schöpferischen Pausen der männlichen Leidenschaft zu überbrücken, so werden die Themen immer persönlicher und die Geständnisse immer intimer. Dann klingelt mitten in der Nacht erst sein Telefon, kurz drauf das ihre, und es stellt sich raus, dass beide keineswegs so ungebunden sind, wie sie zu Beginn beteuert haben. Das Paar scheint wie füreinander geschaffen, doch das Schicksal hat offenbar andere Pläne. tpg.