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★★★★★
☆☆☆☆☆
Zwischen Himmelsweihern und Justiz
Clara M. - Bewertet am 02.03.2025
Zustand: Exzellent
"Unter Grund" von Annegret Liepold thematisiert ein hochaktuelles und wichtiges Thema und stellt eine etwas andere Perspektive dar. Wir begleiten Franka in der heutige Zeit aber auch und vor allem in ihrer Jugend in den Nullerjahren auf dem Land, als sie immer tiefer in die rechte Szene einsteigt.… Wir springen zwischen den verschiedenen Zeit hin und her und nach und nach fügt sich das gesamte Bild zusammen. Die Rückblicke wirken teilweise wie kleine Anekdoten, die uns ein Gesamtgefühl vermitteln sollen und Aufschluss über Frankas Beweggründe liefern. Das Buch ist recht kurz. An manchen Stellen hätte ich mir noch ein paar tiefergehende Informationen und Einblicke in die jeweiligen Gründe gewünscht. Ich hätte mir vor allem mehr Einblicke in Frankas Gedanken und Gefühle erhofft. Trotzdem ist alles wichtige gesagt und "Unter Grund" bietet einen spannenden Einblick und eine etwas andere, aber trotzdem kritische Perspektive auf die rechte Szene in den Nullerjahren und der Jugend auf dem Land.
Der Schreibstil kann fast schon poetisch bezeichnet werden, er gefällt mir gut und bildet einen spannenden Kontrast zum Thema des Buches. Auch wenn ich den Schreibstil sehr mag, hat er doch dazu geführt, dass ich das Buch recht stockend gelesen haben. Besonders hervorzuheben ist das Glossar am Ende des Buches, welches weiterführende Informationen zu den Themen liefert und die sachliche Seite darstellt. Ich hätte mir jedoch vorab einen kurzen Verweis darauf gewünscht.
Insgesamt handelt es sich um ein spannendes Buch mit einem hochaktuellen und wichtigen Thema, das ich sehr empfehlen kann. An manchen Stellen hätte ich mir noch tiefergehende Perspektiven gewünscht, daher gibt es von mir 4 Sterne.
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☆☆☆☆☆
Der Weg in die Radikalisierung
Helene r. - Bewertet am 18.02.2025
Zustand: Sehr gut
In ihrem Debütroman „Unter Grund“ hat Annegret Liepold den Weg einer Jugendlichen in die Radikalisierung zu einer Rechtsextremen sehr geschickt beschrieben.
Doch zuerst will ich auf das Cover eingehen. Auf dem Titelbild ist ein Fuchs im Dickicht abgebildet, was meines Erachtens sehr passend ist. In… dem Roman ist die Großmutter der Protagonistin eine zentrale Figur, welche den Spitznamen Füchsin hat. Was ich auch noch zu der Gestaltung des Romanes zähle ist die Anzahl der Kapitel: Das Buch hat vergleichsweise sehr wenige Kapitel, was leider nicht den „1-Kapitel-lese-ich-noch-Effekt“ hat. Jedoch hat die Aufteilung schon Sinn ergeben.
Doch nun zu dem Thema: Die angesprochenen Themen sind bedauerlicherweise höchst aktuell, was schon mit dem Einstieg, den NSU-Prozessen, klar wird. Jedoch wird all dies gut aufgearbeitet. Es geht auch um die Aufarbeitung von Geheimnissen, die über Generationen hinweg verschwiegen wurden, um Antisemitismus, Xenophobie, sexuelle Belästigung und Gewalt. Auch am Ende des Buches gibt es eine Erklärung von Begriffen oder Liedtexte, die in dem Roman angesprochen wurden.
Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, da er sehr verständlich ist und eher parataktisch aufgebaut ist. Das Einbauen der Dialoge in den Fließtext ist sehr gut gelungen.
Die Figuren haben mir sehr gut gefallen und wirkten sehr authentisch. Mir waren fast alle Charaktere äußerst unsympathisch, was jedoch wahrscheinlich die Intention dahinter war. Insbesondere Franziska macht innerhalb des Romanes eine unfassbare Entwicklung. Interessant anzumerken ist auch, dass sehr viel mit Zeitsprüngen gearbeitet wird. Von der Situation am Romananfang bis zum Ende vergehen nur ungefähr zwei Tage, jedoch gibt es sehr häufig Rückblenden.
Ich empfehle diesen Roman wirklich für jede Person in Deutschland. Eigentlich sollten alle Menschen einmal so eine Geschichte gelesen haben, um zu verstehen, wie „einfach“ es ist, in eine solche Szene abzurutschen und wie gefährlich so etwas werden kann.