In seinem Realfilmdebüt inszeniert Pixar-Profi Andrew Stanton ein aufwendiges und actionintensives Fantasyspektakel im Monumentalformat.
Stanton ist zweifacher Oscarpreisträger ("Findet Nemo", "Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf"), arbeitete als einer der zentralen Kreativköpfe von Pixar an vielen erfolgreichen Animationshits der letzten Dekade mit. Wie schon Pixar-Kollege Brad Birds "Mission: Impossible - Phantom Protokoll" ist auch sein erster Live-Action-Film kein Projekt zum behutsamen Herantasten, sondern eine gewaltige Herausforderung, mit der zudem ein lukratives Franchise lanciert werden soll. Nach vielen, nicht zuletzt an Budgetdiskussionen gescheiterten Versuchen von Regisseuren wie Robert Rodriguez oder Jon Favreau stemmt Stanton diese erste Verfilmung von Edgar Rice Burroughs' Pulp-Roman "Die Prinzessin vom Mars" als einen der teuersten Filme der letzten Jahre, dem man das investierte Vermögen allerdings auch ansieht.
Diese Ouvertüre für eine geplante Trilogie teleportiert die Titelfigur, einen traumatisierten Bürgerkriegsveteranen 1871 auf wundersame Weise auf den Mars. Dort erwartet ihn eine Welt mit der Aura von "Flash Gordon" und einer reduzierten Schwerkraft, die ihm besondere Kräfte verleiht. Eine Welt, die durch den langjährigen Krieg zweier humanoider Völker am Abgrund steht, manipuliert von unsterblichen Wesen, die den Mann von der Erde als Systemstörung betrachten. Carter (Taylor Kitsch) ist ein widerwilliger Held, will sich weder für die schöne Prinzessin von Helium (Lynn Collins) im Kampf gegen die Erzfeinde aus Zodanga noch für die knapp drei Meter großen aggressiven Kreaturen vom Volk der Tharks engagieren, die ihr Leben, wie das antike Sparta, Kampf und Krieg gewidmet haben. Freundschaft und Liebe werden Carter noch umstimmen in einer aus heutiger Sicht etwas kindlich-naiv wirkenden Geschichte, die aber 1912, zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung, das Tor in eine neue, fantastische Welt öffnete und Filmemacher wie George Lucas und James Cameron inspirierte.
Nachdem aus dieser Urzelle bereits viele Keime trieben, und diese Ableger beim heutigen Publikum als Originale gelten, hat Stantons Film ein kleines Identitätsproblem, sind echte Überraschungen selten und Wiedererkennung in dramaturgischen Bauplänen und Figuren unvermeidbar. Doch die visuelle Wucht von Design und Schauplätzen, von Action- und Effektszenen, bei denen vor allem die durch Performance-Capture realisierten Tharks überzeugen, halten den Verblüffungs- und Unterhaltungsfaktor dieses Fantasyspektakels auch ohne den Bonus von Real 3D hoch genug, um Teile der Fangemeinde von "Avatar - Aufbruch nach Pandora" auch in diese dreidimensionale Welt locken zu können. kob.