Erleuchtung รผber den Mann, das rรคtselhafte Wesen, verspricht auch die zweite Verfilmung eines Bestsellers von Nick Hornby, die nach "Fever Pitch" erneut einen zwischen Obsessionen und Beziehungsproblemen eingekeilten Mann portrรคtiert. Zum groรen Vergnรผgen seelenverwandter Zuschauer ersetzt Vinyl Leder als sklavische Passion, wรคhrend die damit verglichen etwas blass bleibenden romantischen Komplikationen stรคrkeres Gewicht als im Vorgรคnger bekommen. Wirklich massentauglich erscheint "High Fidelity" wegen seines Spezialistenschwerpunkts kaum, aber ein anspruchsvolleres, Popkultur-gebildetes Publikum dรผrfte an dieser Komรถdie seine Freude haben.
Sammlertum mit pathologischer Detailbesessenheit ist laut Hornby eine maskuline Verhaltensauffรคlligkeit, die nur Nichterleuchteten befremdlich erscheint. Im Unterschied zu "Fever Pitch" macht der Protagonist von "High Fidelity" einen Lernprozess zur Beziehungsreife durch, wรคhrend er die Bedeutung von Musik und Vinyl nรคher zu bringen versucht. Dieses Vermittlungsproblem glauben Hornbys Adaptoren, D.V. De Vincentis, Steve Pink und John Cusack, deren Humor bereits bei "Ein Mann - ein Mord" auffรคllig wurde, รผber nicht gerade originelle direkte Zuschaueransprachen des leidgeprรผften Helden Rob (Koproduzent Cusack spielt ihn selbst) gelรถst zu haben. Die von London nach Chicago verlegte Verfilmung Stephen Frears, der als Regisseur von Cusack ins Spiel gebracht wurde, aber wohl auch durch seine beiden Roddy-Doyle-Adaptionen fรผr Hornbys Witz prรคdestiniert schien, beginnt mit dem Katastrophenfall, wenn Robs Freundin Laura (Dรคnemarks Robin Wright: Iben Hjejle aus "Mifune") die langjรคhrige Beziehung vom Netz nimmt und zum Nachbarn zieht, den Tim Robbins in einer amรผsanten รko-Friedens-Guru-Hommage an Steven Seagal zum Besten gibt. Ohne Power beginnt fรผr Cusack eine Zeit der Leiden, in der er seine bisherigen Amouren (darunter mit "Zorro"-Granate Catherine Zeta-Jones) zu reflektieren beginnt. Relativ zersplittert, aber in den Dialogen und Popkulturanspielungen stets witzig, hรผpft der Film nun zwischen der romantischen Wunde, den Begegnungen mit Laura und Cusacks Plattenladen hin und her, wo man sich als Kunde trotz miserabler Geschรคftslage begehrtes Vinyl erst durch enzyklopรคdisches Wissen und Spezialistengeschmack verdienen muss. Fast alle Szenen in dieser musikalischen Qualitรคtsoase sind hรถchst unterhaltsam, werden dominiert von Disputen รผber Film, Fernsehen und Top-Five-Listen, die auch vor den besten Todessongs nicht Halt machen. Komรถdiantisches Trumpfas des von รผber 60 Songs kommentierten Films ist dabei Jack Black als Cusacks solidarisch musikfanatischer Angestellter, der als giftiger Sidekick unter Strom steht. Er behรคlt am Ende seine anarchische Kindlichkeit, wenn die erstklassige Hjejle und der gewohnt solide Cusack wieder zusammenkommen. Eine Reunion, die "High Fidelity" konstatiert, aber, wie auch den Reifeprozess des Protagonisten, nicht รผbermรครig plausibel entwickelt. Ein witziges Erwachsenenmรคrchen also mit Herz fรผr Romantik. kob.