Dieter Hallervorden einmal nicht als Spaßvogel. In Kilian Riedhofs Tragikomödie stellt er sich als Ex-Marathonchampion seinem härtesten Wettkampf - dem Leben.
"Didi" war gestern, heute ist Dieter. Mit "Nonstop Nonsens" hat er jahrlang seine Fans erfreut, im Kino war er "Der Experte" oder "Der Rächer der Enterbten". Kalauer und krude Slapstick-Gags sind die Spezialität des beliebten Comedians. Doch Dieter Hallervorden kann auch anders. Wie er nun als Charakterdarsteller in Kilian Riedhofs ("Homevideo") nachdenklicher Tragikomödie nachhaltig unter Beweis stellt.
"Sein letztes Rennen" absolviert er als einst gefeierter Marathonläufer Paul Averhoff. Weit u?ber 70 Jahre alt, muss er mit seiner kranken Frau Margot (Tatja Seibt) aus dem geliebten Häuschen in ein Altersheim umziehen. Tochter Birgit (souverän und sympathisch: Heike Makatsch), eine Stewardess, die in einer Lebenskrise steckt, hat zu wenig Zeit, sich um ihre Eltern zu kümmern. Plötzlich besteht Pauls Alltag aus Singkreis und Bastelstunde, geregeltem Tagesablauf sowie der Bevormundung durch seine religiöse Betreuerin (stark: Katharina Lorenz). Das kann's doch nicht gewesen sein! Also packt der rüstige Senior seine Laufschuhe wieder aus und beginnt, für den Berlin-Marathon zu trainieren - belächelt vom Personal, bestaunt von den Mitbewohnern.
Eine ganz alltägliche, realitätsnahe Geschichte erzählt Regisseur Riedhof, der zusammen mit Marc Blöbaum ("Notruf Hafenkante") auch das Drehbuch geschrieben hat. Es geht um die Probleme des Älterwerdens und die Notwendigkeit des Weitermachens, ums Stecken neuer Ziele und darum wie man den Verlust eines geliebten Menschen verkraftet. Werden auch die bekannten (Betreuungs-)Probleme in einem Seniorensitz - überfordertes Personal, paragraphentreue Heimleitung (in Person der überzeugend schmallippigen Katrin Sass) etc. - angesprochen, dreht sich der Plot doch weniger um den Kampf eines Einzelnen mit dem System, sondern um den mit sich selbst.
Mit gutem Auge sind sämtliche Personen gezeichnet - ob"verständnisvoller" Pfleger (Frederick Lau) oder spießiger, obrigkeitshöriger Heimbewohner (Otto Mellies) -, echt klingen die Dialoge und sorgfältig gestaltet sind die Dekors (Szenenbild: Erwin Prib). Vorzüglich umgesetzt ist das Finale, das seinen Höhepunkt im Olympiastadion der Hauptstadt findet - ein tricktechnisches Kabinettstück mit geschickt einmontierten Bildern vom ISTAF-Leichtathletik-Meeting sowie dem Berlin-Marathon. Eine warmherzige, hintergründige Arbeit, humorvoll im Ton, ernst in der Aussage, getragen vom souveränen Dieter Hallervorden, der ein großartiges Kino-Comeback gibt. geh.
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