Hinreißende Hommage an Fellini über einen alternden Playboy in Rom, der aus dem süßen Nichtstun geschreckt wird.
Es kann kein Zufall sein, dass Paolo Sorrentino, spätestens seit "Il Divo" der aufregendste kontemporäre Filmemacher Italiens neben Matteo Garrone, ausgerechnet nach der wohl nicht ganz einfachen Erfahrung mit dem englischsprachigen "Cheyenne - This Must Be the Place", den er in Irland und den USA drehte, einen Film realisiert hat, der italienischer kaum sein könnte, eine Liebeserklärung an Rom und eine Verbeugung vor Fellini im Allgemeinen und "Das süße Leben", "8 1/2" und "Roma" im Besonderen: Das Leben ist eine ewige Party für den in die Jahre gekommenen Bonvivant und Journalisten Jep Gambardella und seine Freunde. "Unser Polonäsezug ist der beste Zug von ganz Rom, weil er nirgendwo hinfährt", merkt Jep während einer seiner Feiern auf seiner riesigen Dachterrasse an, bei denen sich regelmäßig die komplette High Society der Stadt zusammenfindet, um auf die Pauke zu hauen oder nur zusammenzusitzen und sich im süßen Nichtstun zu üben.
Aber ganz so einfach ist es nicht mehr: Jep spürt das Alter, er fürchtet die Leere, trauert den verpassten Chancen und der verplemperten Zeit nach, die er nach seinem ersten und einzigen Roman vor 40 Jahren untätig hat verstreichen lassen, um sich lieber in flüchtige Abenteuer und den Rausch der Oberflächlichkeit zu stürzen. Endgültig aus seiner lässigen und stets allen überlegenen Lebenspose wird der Bonvivant geschreckt, als er erfährt, dass seine erste große Liebe gestorben ist, die ihm einst, vor langen Jahren, ein Lächeln und den ersten Kuss geschenkt hatte. Obwohl er sie seit Jugendtagen nicht mehr gesehen hat, beginnt für den Playboy eine Reise ans Ende der Nacht, eine Suche nach Sinn, in deren Verlauf Sorrentino, der seinen Film mit prallen Bildern und unendlicher Fabulierlust erzählt, auch noch mit dem Italien der Gegenwart abrechnet, mit korrupten Bankern und selbstverliebten Pfaffen, vermeintlichen Sehern und Heilsbringern.
Immer wieder wird man an Fellini erinnert, aber auch auf andere große italienische Filmemacher wie Scola oder Monicelli verweist Sorrentino, ohne sie jemals zu kopieren. Unweigerlich muss man an Helmut Dietl und seine Gesellschaftsfresken denken, an Typen wie Baby Schimmerlos oder den Monaco Franze, die melancholische Brüder im Geiste sind von diesem weltgewandten Jep Gambardella, den Toni Servillo, Sorrentinos Hauptdarsteller in "Il Divo", immer perfekt gekleidet und mit perfekten Manieren spielt, als habe Truman Capote ihn erfunden - der Inbegriff des Playboys, der die Fähigkeit zur Selbstreflexion aber nicht verloren hat. ts.
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