Multitalent Helge Schneider hat wieder einen (Anarcho-)Autorenfilm gedreht - gewohnt verquer, gewohnt melancholisch und gewohnt gemächlich.
Er ist wieder im Dienst, nach neunjähriger Leinwandpause, 00 Schneider alias Kult-Komiker Helge Schneider, der seine detektivischen Fähigkeiten bereits in "Texas" und "00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter" unter Beweis stellte. Er trägt Achteinhalbtagebart, braunen Ledermantel statt Trenchcoat und Fliegersonnenbrille, als Fortbewegungsmittel dient der Doppelnull der "Haifisch"-Citroën DS - bekannt aus den Hard-Boiled-Krimis von Jean-Pierre Melville. Gejagt wird in "00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse" der deutsch-türkisch-belgische Ganoven Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni), genannt "Die Eidechse". Ein "Intelligenzverbrecher", der seine Opfer mit ätzender Spucke außer Gefecht setzt, ein Kettenraucher, dem das Handwerk vom "militanten" Nichtraucher gelegt wird, der "ausschließlich mit dem Gehirn ermittelt".
Handfester Krimi, spannender Thriller, flotte Komödie - Fehlanzeige! "Im Wendekreis der Eidechse" ist ein Schneider-Film, ein entschleunigter Autorenfilm im Wortsinn, von, mit und über Helge Schneider. Regie hat er geführt, das Drehbuch verfasst und natürlich mehrere Rollen übernommen - so gibt er etwa auch den Zahnarzt Dr. Ferkelfuß oder den Psychiater Walter. Der deutet am Tatort einen Schuhabdruck und weiß sofort: "Der Täter hat schwarze Haare." Ein auch in Sachen Bildsprache absurd-komisches Unterfangen: Da fährt Schneider in einer Szene an Palmen vorbei - unter anderem wurde in Spanien gedreht - nur um im Umschnitt in der Mülheimer Innenstadt anzukommen. Auf dem Polizeirevier pflegt man den entspannten Beamtenalltag, Fälle werden im Schneckentempo gelöst und der Maestro schreibt an seinen Memoiren - blöd nur, dass er dabei immer wieder einnickt.
In gewohnter Manier verbindet "Deutschlands schlechtester Komiker", auch berühmt als "Die singende Herrentorte", verqueren Wortwitz mit tiefer Melancholie und schrägem Grinsen. Er parodiert den Actionfilm und den Film Noir, borgt sich frech Clint Eastwoods Kultspruch "Make my day!". Für die (un-)passende musikalische Untermalung zeichnet er im Off verantwortlich, im On greift er zu Gitarre und Klarinette oder nimmt an der Orgel Platz. Unterstützt wird er von alten Bekannten seiner Band, Ira Coleman, Pete York, Willy Ketzer und Sergej Gleithmann, Tante Tyree (Tyree Glenn) versucht's mit Kokosnussschalen als weibliche Tarnung und Rudi Olbricht wird als "Popo-Grapscher" dingfest gemacht. Messerscharfe Schlussfolgerung: Love it or leave it! geh.
Hersteller: Universum Film, Neumarkter Str. 28, München, 81673, info@universumfilm.de