"Einer für alle, alle für einen!" Erneut schallt Alexandre Dumas' legendärer Treueschwur inmitten protziger Residenzen, finsterer Verliese und stolzer Königstruppen, wobei die Musketiere nach Bertrand Taverniers "D'Artagnans Tochter" ein weiteres Mal als Frührentner um Frankreichs Wohl streiten müssen. Mit großen Namen vor und hinter der Kamera versucht sich Regiedebütant Randall Wallace an einem romantischen Abenteuerfilm, der weder epischen Atem, noch Wucht und Vitalität von "Braveheart" erreicht, dessen von Wallace verfaßtes Oscar-nominiertes Drehbuch Mel Gibson zum Welthit formte. Ähnliche Profite hat "Der Mann in der eisernen Maske" kaum zu erwarten, obwohl die von Jungstar Leonardo Di Caprio angeführte Besetzungsliste ein appetitlicher Köder für hungrige Kinofans sein dürfte.
Daß Hollywood einem Schriftsteller, der hier erst sein zweites Skript vorlegte, die Regie dieses Renommierprojektes anvertraute, dessen 40-Mio.-Dollar-Budget den Anspruch des Stoffes sichtlich kaum deckt, zementiert zwar den amerikanischen Traum, nicht aber den Glauben an Autodidakten. Statisch und konventionell in der Bildgestaltung hat Wallace eine weitere Adaption von Dumas' Roman "Zwanzig Jahre später" in Angriff genommen, der, wie schon die Verfilmungen Allan Dwans (1929), James Whales (1939) oder auch Mike Newells (1977) frei mit der Vorlage umgeht. Die größte Übereinstimmung mit letzterer ist der Verzicht auf Klischeeschurken vom Schlage De Rocheforts oder Fouquets sowie die Zeichnung von Aramis (Jeremy Irons, noch der überzeugendste Musketier) als zentralen Konspirateur, der der Herrschaft Ludwigs XIV. ein Ende setzen will. Mit subtil-arroganten Gesichtszügen und einem erstmals dem Roman entsprechenden Alter ist Di Caprio eine gute Wahl für diese Rolle, wobei der "Titanic"-Star mit dem charakterlich diametral entgegengesetzten Zwillingsbruder des Königs weniger gut zurechtkommt. Dieser schmachtet sechs Jahre lang, unter einer eisernen Maske seiner Identität und Lebenshoffnung beraubt, in einer Festung, bis ihn Aramis, Athos (John Malkovich) und Porthos (Gérard Depardieu - Gefangener der Lust, körperlicher Blähungen und grobstrichiger Charakterisierung) befreien. Nach einem Crashkurs in höfischer Dekadenz soll der kindlich gebliebene Blutsverwandte in einer Geheimaktion an die Stelle seines Zwillingsbruders treten, der ihn einst zum trostlosen Leben im Kerker verdammte und Frankreich an den Rande des Bürgerkriegs führte. Größter Gegner der Verschwörer ist deren ehemaliger Mitstreiter D'Artagnan (Gabriel Byrne), der aus geheimnisvollen Motiven heraus den König mit Hundetreue verteidigt, womit seine Figur wie ein lästiger Hinkelstein aufs Gemüt des Zuschauers drückt. Wie D'Artagnan, so werden auch die anderen Charaktere mitunter unfreiwiliger Komik preisgegeben, weil Wallace Pathos und Kitsch gerne mit Theatralik verwechselt und zudem im Bild längst vermittelte Sachverhalte durch redundante Dialoge übererklärt. Subtilität ist nicht das Metier dieses Regisseurs, dem sein Film nach kurzer Zeit, gleitet. Die mythischen Qualitäten des Stoffes, um dessen Hauptfigur sich ein Rätsel in Kaspar-Hauser-Dimensionen rankt, bleiben weitgehend ungenutzt. Sein Action-Potential auch, verlangt doch das Mantel-und-Degen-Genre Kampfakrobatik, die sich nicht nur auf zwei Sequenzen (die erste nach 90 Minuten!) beschränkt. Somit bleibt das größte Rätsel um den Mann in der eisernen Maske, warum ihm so viele profilierte Namen nicht ein würdigeres Forum verschaffen konnten. kob.
Hersteller: Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany, Darmstädter Landstr. 114, Frankfurt am Main, Deutschland, 60598, germany@fox.com