Swingendes Biopic über den Londoner Nachtclubkönig und Immobilienhai Paul Raymond, cool inszeniert, "scharf" bebildert und mit Steve Coogan ideal besetzt.
Die Titelsequenz stimmt perfekt aufs Kommende ein: Ausschneide-Betthäschen gleiten durchs Bild, auf der Tonspur erklingt ein schmissiger Mambo. Dann spricht ein Mann das Publikum direkt an: "Mein Name ist Paul Raymond", sagt er, "willkommen in meiner Welt der Erotik". Nach "24 Hour Party People", "Tristram Shandy" und "The Trip" hat sich Michael Winterbottom für "The Look of Love" erneut mit seinem genialischen Star Steve Coogan zusammen getan und erzählt die Tatsachengeschichte des mythenumrankten Sexmaniacs Raymond, der von den Boulevardmedien Großbritanniens als "King of Soho" gleichermaßen gefeiert wie gescholten wurde.
Ein Biopic ist "The Look of Love", eine (tragische) Komödie und gleichzeitig auch klassische "success story". Von den späten 1950ern bis 2008, dem Todesjahr Raymonds, spannt sich die Story des Mannes, der dank der einfachen Erkenntnis "sex sells" ein geschätztes Vermögen von 650 Millionen Pfund anhäufte. Nachtclubs, deren Darbietungen vorgeblich so heiß waren, dass kein "wirklicher Kerl" ihnen widerstehen konnte, betrieb er, daneben publizierte er Erotikmagazine und kaufte Immobilien bis ihm schließlich im Londoner Stadtteil Soho ganze Straßenzüge gehörten.
Schwungvoll spulen der Regisseur und sein Autor Matt Greenhalgh ihren Plot ab, stets - - manchmal etwas zu offensichtlich - "kommentiert" von den Ohrwürmern der Zeit. Von den Frauen des Erotomanen erfährt man, von Gattin Jean (Anna Friel), die als barbusige Löwendompteurin auftritt, von ihrer Nachfolgerin, der Pastorentochter Amber (Tamsin Egerton), und von seiner geliebten Tochter Debbie (Imogen Poots), die nur 36-jährig an einer Überdosis Heroin stirbt - nicht zu vergessen die zahllosen Sexpartner, mit denen Raymond sich in seinem King-Size-Bett im luxuriösen Penthouse vergnügt.
In wunderbaren Bildern fängt Kameramann Hubert Taczanowski Zeit und Zeitgeist ein. Schwarzweiß filmt er die "faden Fünfziger", grellbunt die "Swinging Sixties". Dichter Zigarettenrauch wabert durch Clubs und Umkleideräume, formschöne Frauen in Stringtangas und Federschmuck auf den Köpfen hüpfen durch Korridore - Meisterleistungen in Sachen Produktions- (Jacqueline Abrahams) bzw. Kostümdesign (Stephanie Collie). Optisch, rhythmisch und in punkto Lokalkolorit begeistert der Film. Nur die Figuren sind zu schablonenhaft angelegt, zudem mag Winterbottom sich nicht auf einen zentralen Handlungsstrang fokussieren. Dennoch sieht man dem Treiben gerne zu, cruist entspannt mit dem brillanten Selbstdarsteller Raymond in dessen Rolls Royce, Kennzeichen PRII, durch die Nacht. Ein Macho-, ein Männertraum. geh.