Nach den begeisterten Kritiken, aber dem kommerziellen Flop von "The General" erhält das irische Gangsteridol Martin Cahill eine zweite Bewährungschance. Diese freiere, stärker auf Genreunterhaltung setzende Interpretation eines verrückten Lebens hat mit Hauptdarsteller und Oscarpreisträger Kevin Spacey im Unterschied zu John Boormans Film einen international bekannten und dank seinem Starauftritt in "American Beauty" auch populären Namen, der nicht nur nach einem denkbaren zweiten Oscar-Triumph als Zuschaueranreiz eingesetzt werden kann.
Durch die Mitarbeit seiner Produktionsgesellschaft "Trigger Street Productions" signalisiert Spacey den Stellenwert dieses Projekts für ihn, das nach langen Geburtswehen verspätet in die Kinos kommt. Die irische Company "Little Bird" hatte bereits ein nahezu fertiges Drehbuch, als Boorman seine Version des Stoffes lancierte, die nach Rechtsproblemen und einem turbulenten Wettrennen im Juli letzen Jahres in die deutschen Kinos kam. Mit 29 Kopien marschierte "The General" nicht, sondern schlich an den Start und wurde mit enttäuschenden 23.000 Zuschauern schließlich ins Archiv versetzt. Diese Marke scheint dank Spacey überwindbar, obwohl diese deutsch-irisch-amerikanische Koproduktion unter der zuverlässigen Regie des Iren Thaddeus O'Sullivan ("Nothing Personal") weniger ambitioniert ist als der Vorgänger und auch dessen Unterhaltungswert nicht übertrifft. "Ordinary Decent Criminal" bietet kein Psychogramm eines pathologischen Institutionshassers, keine Kindheitspolaroids, keine gebrochene Heldenfigur, die mit dem Tod büßen muss, sondern eine über weite Strecken gut gelaunte Räuberpistole. Als "fröhliches Gangstermovie" angekündigt, streift der Film bekannte Stationen Cahills, der hier Michael Lynch heißt. Auch Lynch lebt mit zwei Schwestern und gemeinsamen Kindern, düpiert und provoziert mit Leidenschaft die Polizei, hält seine Bande mit Loyalitätsschwüren, aber auch Brutalität zusammen. Schwerpunkt des Films sind seine dreisten Raubzüge, die man mit kleineren Abweichungen so auch bei Boorman schon gesehen hat. O'Sullivans Version gibt sich augenzwinkernd, will die unbedingte Sympathie für den Protagonisten, den Spacey im öffentlichen Auftreten emotionaler anlegt als Brendan Gleeson, dessen vielschichtige, gleichermaßen beängstigende und berührende Darstellung das Maß aller Dinge bleibt. Boormans bestechende Schwarzweiß-Stilistik ersetzt "Ordinary Decent Criminal" durch eine farbige, fröhlichere Breitwandoptik. Die kommerziell vermeintlich destruktive Aura eines Kunstfilms umgibt diese Produktion nicht, die auch mit der pulsierenden Filmmusik von "Blur"-Sänger Damon Albarn den Kontakt zu einem jüngeren Publikum sucht. kob.
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