In dem tschechischen Kinderfilm entspringt ein blauer Tiger der Phantasie eines Mädchens und rettet einen Botanischen Garten.
In der märchenhaft eigensinnigen Ode an die kindliche Fantasie von Petr Oukropec, dem Produzenten von "Der Dorflehrer", ist alles möglich. Vor allem ist die von liebevollen Animationen durchsetzte Geschichte ein naturbelassener, Gegenentwurf zu action- und temporeichen Effektevents, ein Lob der Faulheit, des Chaos und der guten alten Natur.
Diese Schutzzone der Muße gilt es gegen die randalierende Moderne zu verteidigen: Der durchtrieben fiese Bürgermeister Nörgel (Daniel Drewes als chargierender Bösewicht) will seine tschechische Kleinstadt in die aseptische Architekturzukunft führen und dafür mit der willigen Bevölkerung das alte Viertel abreißen. Dort lebt die fantasiebegabte Johanna mit ihrer verständnisvollen Mutter und dem besten Freund Mathias, Sohn des mürrischen Gärtners Blume, in einem gemütlichen Botanischen Garten und leistet Widerstand gegen Räumungsbefehle und Abrissmanie. Die Schul-Außenseiterin, Prügelopfer der biestigen Lehrerin Drachenfels, erhält Unterstützung von einem kleinen blauen Tiger, den sie gesund pflegt, woraufhin der Garten im alten Gemäuer über Nacht zum Dschungel wird. Hierauf bläst der Bürgermeister zur Jagd auf die vermeintlich gefährliche Raubkatze, die er für das Verschwinden zahlreicher Hunde verantwortlich macht.
Das klingt stringenter, als es Oukropec, der auch am Drehbuch mitwirkte, umsetzt: Mit ruhiger Kamera breitet er entspannt ein kleines Durcheinander aus und erfreut sich sichtlich daran. Der Clou dieses komischen Abenteuers ist, dass es ganz aus einer kindlichen Perspektive passiert, dabei Johannas Phantasie und Wahrnehmung erkundet, anstatt eine Realität abzubilden, wie man sie als Erwachsener sieht. Das ermöglicht es, das Kinderparadies mit der Vorstellungsgabe der tapferen Johanna auszugestalten: In Zeichentrickanimationen und später dezenten Computergrafiken, die ein Tigerbaby blau einfärben oder Pflanzen wuchern lassen, verschmelzen Traum und Wirklichkeit, als sei es das Normalste der Welt. Die keinem Kalkül folgende Verteidigung eines Rückzugsraums gegen die "Momo"-Moderne und die Karikaturen, die sie hervorbringt, eignet sich besonders für ein junges Publikum, das die Seele abseits greller Rasanz baumeln lassen möchte. tk.