Roland Suso Richter macht aus Sabine Kueglers autobiografischem Bestsellerroman ein Culture-Clash-Abenteuer mit guten Darstellern vor exotischer Kulisse.
Dank seiner exotischen Schauplätze und der unkonventionellen Culture-Clash-Konstellation empfahl, ja drängte sich der internationale Bestseller geradezu für eine Leinwand-Adaption auf. Diese Option wurde von Roland Suso Richter, seit einem guten Jahrzehnt ein Garant für quotenträchtige TV-Events ("Der Tunnel", "Dresden", "Mogadischu"), gezogen. Der vielseitige Filmemacher, der zwar selten Kinofilme macht, aber stets in Kinobildern denkt, versteht es, das Optimum aus der literarischen Vorlage herauszuholen. Er unterteilt die faszinierende Geschichte der achtjährigen Sabine, die mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern nach West-Papua auswandert, wo der Vater die Sprache eines zurückgezogen im Urwald lebenden Eingeborenenstammes erforschen will, in zwei bis drei Minuten kurze Episödchen, die er mit zwischentiteln wie "Unser Heim", "Der Fluch" oder "Der erste Krieg" überschreibt. Obwohl die Ureinwohner den weißen Eindringlingen zunächst sehr skeptisch gegenüberstehen, gelingt es Sabine dank ihres offenen und neugierigen Wesens allmählich Kontakt mit Gleichaltrigen zu knüpfen. Als die Familie jedoch einen Jungen, der bei einer Auseinandersetzung zweier feindlicher Stämme schwer verletzt wurde, bei sich aufnimmt, gerät sie zwischen die Fronten und somit selbst in Gefahr. Nur dem besonnenen Auftreten von Sabines Vaters ist es zu verdanken, dass der Streit nicht eskaliert. Jahre später, Sabine ist inzwischen 16, muss sich die junge Frau entscheiden. Will sie weiterhin im Dschungel, den sie wie ihre Westentasche kennt, leben oder zurückkehren in eine Zivilisation, aus der sie zwar stammt, die ihr aber völlig fremd ist.
Wie Hermine Huntgeburth, die vor fünf Jahren mit der ähnlich gearteten Bestsellerverfilmung "Die weiße Massai" mehr als 2,2 Millionen Besucher in die Kinos lockte, findet auch Richter die passenden Bilder für seine Geschichte vom Zusammenprall der Kulturen. Und die sind mal gruselig wie etwa die verwesende Leiche eines Eingeborenen am Wegesrand, mal poetisch wie der Papierflieger, der zu einer ersten Annäherung zwischen den Völkern führt, und mal urkomisch, wenn die Kinder nach dem großen Regen eine Böschung zur "Schlammrutsche" umfunktionieren. Dankbare Culture-Clash-Situationen ergeben sich auch, wenn mitten in der Wildnis plötzlich "Ihr Kinderlein kommet" auf der Blockflöte gespielt wird oder die Kuegler-Geschwister bei ihrem einzigen Deutschlandbesuch zum ersten Mal in ihrem Leben mit Schneeflocken in Berührung kommen. Dass Klischees geschickt umschifft werden, ist auch ein Verdienst der Darsteller, von denen sich vor allem Naturtalent Stella Kunkat (als junge Sabine) und Nadja Uhl als traditionsbewusste und im positiven Sinne gluckenhafte Mutter Bestnoten verdienen. Und schließlich zeigt uns Roland Suso Richter auf wunderbare Weise wie man in einer einzigen Einstellung im Kino Zeit vergehen lassen kann. Er lässt die Kinder ins Wasser springen und wenn sie ein paar Sekunden später wieder auftauchen, sind aus ihnen Jugendliche geworden. lasso.
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