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★★★★★
☆☆☆☆☆
Der Patriot
Stephanie p. - Bewertet am 04.02.2019
Zustand: Exzellent
In Schweden erhalten Journalisten beinahe täglich Drohungen. Eines Tages wird eine aufstrebende Journalistin umgebracht. Als weitere Morde geschehen, wird jedem bewusst, dass die Täter es auf die Medien abgesehen haben. Ihr Ziel ist es sich an allen zu rächen, die ihrer Meinung nach für die… Flüchtlingsströme nach Schweden verantwortlich sind. Niemand vermag die Täter zu stoppen bis ein neuer Akteur auftaucht, der vor nichts zurückzuschrecken scheint.
Pascal Engmans Schreibstil ist flüssig und rasant, wodurch die Handlung schnell an Fahrt aufnimmt. Ich konnte problemlos in die Handlung einsteigen und war sofort gefesselt. Der Autor kann schnell Spannung aufbauen und diese zunehmend steigern. Leider kann er diese Spannung nicht durchgehend halten und sie flacht immer wieder ab, wird aber jedes Mal erneut aufgebaut. Im Buch wechseln sich Kapitel rund um unterschiedliche Protagonisten ab. Dies erhöht einerseits die Spannung, andererseits haben mich diese Wechsel aber auch immer wieder verwirrt. Bei manchen Kapiteln brauchte ich lange um zu verstehen um wessen Handlungsstrang es sich gerade handelt. Letztendlich werden die einzelnen Stränge allerdings äußerst gelungen verbunden.
Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und äußerst facettenreich. Ich bin begeistert, dass sich auch immer wieder Kapitel rund um den Täter finden, was zur Folge hat, dass man seine Denkweisen und seine Motivation verstehen kann. Besonders überzeugen konnte mich der Bezug zu aktuellen und brisanten Themen, wie beispielsweise Journalistenmorde oder Flüchtingsströme. Beim Lesen hat man mehrfach den Eindruck, dass die Handlung sehr real ist und sich das Geschriebene tatsächlich so ähnlich abspielen könnte.
„Der Patriot“ ist mein erstes Buch von Pascal Engman und ich bin begeistert von den Bezügen zu aktuellen Themen und deren realen Beschreibungen. Ich hoffe auf weitere Thriller des Autors und werde auch in Zukunft gerne und gezielt zu seinen Büchern greifen.
FAZIT:
„Der Patriot“ ist ein rasanter und mitreißender Thriller, bei dem leider die Spannung immer wieder etwas einbricht. Alles in allem konnten mich die fesselnde Handlung und deren Bezug zu aktuellen Themen allerdings wirklich begeistern. Aus diesem Grund vergebe ich 4 Sterne!
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Aktuell, denkbar, schlimm
Anne H. - Bewertet am 04.02.2019
Zustand: Exzellent
Schweden steht vor dem gleichen Problem, wie eine Vielzahl europäischer Staaten in den letzten Jahren. Immer verbissener werden die Fronten zwischen denjenigen, die der vermehrten Zuwanderung, vor allem der muslimischen Flüchtlinge aus Syrien, aus politischen oder humanitären Gründen positiv (oder… auch nur neutral) gegenüberstehen, und jenen, die strengere Aufnahmeregelungen und Abschiebungen fordern und die Gesellschaftsordnung in Gefahr sehen. Vor allem die Presse gerät ins Visier, die zu positiv berichte und damit auch direkt und persönlich verantwortlich gemacht wird für singuläre Straftaten oder Ereignisse. Eine kleine Gruppierung sieht sich berufen zu handeln, ihr Schweden zu retten, jeden einzelnen Schweden und das ganze Land vor dem Untergang zu bewahren. Und ihre Lösung ist so simpel wie radikal: Journalisten müssen sterben, da sie als Wurzel des Übels ausgemacht wurden. Sie gehen überlegt und strategisch vor, kundschaften ihre Opfer akribisch aus, hinterlassen keine Spuren und beginnen damit, ihre Liste abzuarbeiten. Nicht alles verläuft reibungslos, und bald beschließen sie, dass ein „Opfer“ nötig ist, um ihre Ziele zu erreichen und vollkommen unbeteiligte werden in das Geschehen mit hinein gezogen.
Der Patriot zeigt eine Vielzahl brandaktueller Probleme und Konflikte auf und was mir mit am besten gefallen hat – er gibt nicht vor eine Lösung zu kennen. Ohnehin wertet der Autor eigentlich überraschend wenig. Es genügt vollkommen die Vielschichtigkeit der Probleme, das Ausmaß der potentiellen und tatsächlichen Gewalt und die Reichweite der Konsequenzen aufzuzeigen um das ganze Dilemma zu transportieren. Nationale und persönliche Tragödien sind unmittelbar uns erschreckend miteinander verknüpft.
Dabei entsteht ein überaus fesselnder Thriller, den ich in nur zwei Tagen ausgelesen habe. Ganz entscheidend hat dafür mich die ständig wechselnde Perspektive beigetragen, so dass ich fast immer am Ende eines Kapitels gedacht habe, dass ich aber nun unbedingt noch wissen muss, wie es in diesem Handlungsstrang weitergeht – aber der ist eben erst nach 4-5 Kapiteln wieder dran… Und als dann noch zwei mal zwei Stränge zusammengeführt wurden - einer gar nicht überraschend, der andere (zumindest für mich) sehr überraschend und der ganzen Geschichte eine wirklich interessante neue Komponente und Wendung gebend, da kann man das Buch dann tatsächlich kaum noch aus der Hand legen.
Ein Kritikpunkt ist für mich der Klappentext des Buches: dort wird eine Person genannt, und liest man den Text könnte man meinen, es handele sich um den „Rächer“, der nach Schweden zurückkehrt und seinen Feldzug startet, die Journalistenmörder zu stellen. Weit gefehlt und so unzutreffend in Bezug auf Rolle und Ausgang der Geschichte, dass man sich fragt, ob die Person das Buch gelesen hat. Eine weitere ein wenig zu unterkühlte, gelassene Gesamthaltung fand ich auch schwierig zu glauben: da tötet jemand Journalisten. In Stockholm, in ihren Wohnungen, in ihren Häusern auf dem Weg nach Hause. Nicht einen, mehrere. Und doch tun alle Journalisten der Stadt nichts anderes, als ihre bösen Mails weiter brav in die „Drohmail-Archive“ zu verschieben. Das hat doch auch nichts mit, „ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich schreibe und wie ich dazu stehe“ zu tun – keinen Fuß mehr hätte ich vor die Tür setzen können ohne gigantische Panik zu schieben und so ein Streifenwagen vor den Reaktionen – bitte, der wird niemanden abhalten. Das fand ich einfach menschlich und politisch/kriminalistisch unglaubwürdig dargestellt.
Nichts desto trotz hat mich dieses Buch unglaublich unterhalten, trotz des politisch brisanten Themas, dass den Leser ja vielleicht eher berühren, aufrütteln, erschrecken sollte, das tut es auch – aber tatsächlich weit weniger als es könnte.
Fazit: ein spannender Thriller ist es in jedem Fall, Unterhaltungsliteratur mit einem überaus brisanten, aktuellen Thema, mehr aber auch nicht. Müsste es das sein, sollte es das sein? Ich weiß es nicht wirklich, irgendwie habe ich das Gefühl, es hätte tiefer gehen können.