Justin Chadwick zeichnet in seinem Biopic - mehr Hommage als kritischer Diskurs - den Lebensweg von Südafrikas berühmtem Freiheitskämpfer nach.
Zig Dokumentationen und TV-Filme gibt es bereits über Nelson Mandela und Clint Eastwood hat ihm mit "Invictus - Unbezwungen" 2009 ein Leinwanddenkmal gesetzt. Von 1994 bis 1999 war der gelernte Jurist der erste schwarze Präsident seines Landes. Neben Martin Luther King gilt Mandela, der 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, als wichtigster Vertreter im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen sowie als Wegbereiter des Übergangs von der Apartheid zu einem gleichheitsorientierten, demokratischen Südafrika.
Nun liegt mit "Mandela: Long Walk to Freedom" das erste Kino-Biopic über den charismatischen Freiheitskämpfer vor. Inszeniert hat es der britische Regisseur Justin Chadwick ("Die Schwester der Königin") nach der gleichnamigen Autobiographie Mandelas. Über 50 Jahre spannt sich der Erzählbogen des knapp zweieinhalbstündigen Films, ein kurzer Rückblick führt zunächst in die Kindheit Madibas - so Mandelas traditioneller Clanname -, ehe die Handlung dann in den 1940ern einsetzt. Als Rechtsanwalt und Frauenheld macht er sich einen Namen, die erste Gattin (Terry Pheto) verlässt ihn bald. Er lernt seine zweite Frau Winnie (Naomie Harris) kennen, schließt sich dem zunächst gewaltlosen African National Congress (ANC) an, geht in den Untergrund und landet schließlich für 27 Jahre hinter Gittern.
Gradlinig hält der in historischen Stoffen erfahrene William Nicholson ("Elizabeth - Das goldene Königreich") sein Skript, linear zeichnet er den Weg Mandelas bis zu dessen Wahl zum Staatsoberhaupt nach. Die Stationen der spannenden (Polit-)Karriere werden korrekt - wenn auch etwas brav - abgehakt, wohl komponiert hat Kameramann Lol Crawley seine farbsatten Bilder - ob Dialog-, Kampf- oder Massenszenen -, Sorgfalt und Authentizität zeichnen Johnny Breedts Produktionsdesign aus. Ein wenig zu plakativ gewählt sind die Songs, die die emotionalen Szenen unterstreichen - einschlägige Hits von U2s "Pride" bis zu Public Enemys "Fight The Power" sind zu hören.
Ins Stocken gerät das Drama, insgesamt eher Hommage als kritischer Diskurs, mit der Inhaftierung Mandelas, denn Chadwick gelingt es nicht, wirklich schlüssig zu zeigen, wie ohnmächtig, hilflos und deprimiert sich sein Held da gefühlt haben muss. Dass man dennoch jederzeit mit Mandela leidet und mitfühlt, liegt am nuanciert agierenden Idris Elba ("Luther"), der es perfekt versteht, die vielen Gesichter, die Mandela ausmach(t)en, bloßzulegen. Eine Oscar-Nominierung ist für ihn durchaus denkbar. geh.
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