Mit dem psychologisch sorgfรคltig ausgearbeiteten Neo-Noir-Thriller nach Patricia Highsmith debรผtiert Drehbuchautor Hossein Amini ("47 Ronin") als Regisseur.
รber Nacht bekannt wurde die US-Schriftstellerin Patricia Highsmith, als Alfred Hitchcock 1951 ihren ersten Roman "Strangers on a Train" als meisterlichen Thriller adaptierte. Ein Klassiker der Kriminalliteratur ist ihr Romanzyklus um den amoralischen Helden Tom Ripley, der Filmemacher von Renรฉ Clรฉment bis Anthony Minghella inspirierte. Nun hat sich Drehbuchautor Hossein Amini ("Drive") an eines der weniger bekannten Bรผcher der Meisterin des psychologischen Kriminalromans erinnert, an "Die zwei Gesichter des Januars", das Wolfgang Storch 1986 bereits verfilmt hat.
Highsmith interessiert sich nicht fรผr die Verbrechersuche, sondern die Erforschung der Motive ihrer Figuren. Die Tรคter sind von Beginn an bekannt, die Frage lautet vielmehr, was sie zu ihren (Un-)Taten treibt. Ihre Stories sind keine "Whodunits", vielmehr komplexe Charakterstudien, die meist vom Sieg des "Bรถsen" รผber das "Gute" erzรคhlen.
Der Zweck heiligt bei Highsmith die Mittel, so auch beim Fremdenfรผhrer Rydal (Oscar Isaac), einem polyglotten Amerikaner, der im Athen des Jahres 1962 die Mitglieder seiner Reisegruppen ohne Gewissensbisse mit kleinen Wechseltricks รผbers Ohr haut und so sein Einkommen aufbessert. Auf der Akropolis lernt er das (scheinbar) mondรคne Ehepaar MacFarland (Kirsten Dunst und Viggo Mortensen) kennen, bald darauf wird er von den beiden zum Essen eingeladen. Ein tรถdlicher Unfall kettet die drei in der Folge aneinander, sie sind gezwungen gemeinsam quer durch Griechenland zu fliehen.
Einen klassischen Film-Noir-Plot variiert Amini, eine Dreiecksgeschichte um sexuelle Verlockung, (Geld-)Gier und Gockelkรคmpfe. Mit sicherer Hand fรผhrt er sein "Trio infernal", im Zentrum steht die Femme fatale, die zugleich als antike (Schicksals-)Gรถttin fungiert. Fรผrs nachtschwarze Genre unรผblich, ist alles in gleiรendes Licht getaucht, der drรคuende, immer wieder aufbrausende Soundtrack von Alberto Iglesias erinnert an jene des Hitchcock-Hauskomponisten Bernard Herrmann. Groรe Sorgfalt wurde auf (Retro-)Ausstattung und Kostรผme gelegt, im Fokus bleiben aber stets die Personen.
Die (Anti-)Helden mรผssen eher reagieren denn agieren, sind abhรคngig von Zufรคllen, die auch รผber Leben und Tod entscheiden. Ihre Handlungen treiben sie immer tiefer ins Unglรผck. Sie sind Gefangene, ob in winkligen Gassen, engen Zimmern, Menschenmengen oder weiten, leeren Landschaften. Es gibt keine Flucht- und Versteckmรถglichkeiten und dass es schlieรlich im Labyrinth von Knossos, dem mythischen Verlies des Minotaurus, noch ein Todesopfer zu beklagen gilt, ist geradezu von logischer Konsequenz. geh.