Unangepasster, unabhängig produzierter Thriller von "Tatort"-Regisseur Thomas Bohn, der in seinem Kammerspiel die ganz große Frage stellt.
Ein Kammerspiel der, nicht nur fürs deutsche Kino, besonderen Art liefert Thomas Bohn, der sich nach seinem Kinodebüt "Straight Shooter" von 1999 vor allem als Regisseur hochkarätiger Tatort-Beiträge einen Namen machte, mit dem unabhängig produzierten Mystery-Thriller "Reality XL" ab. Ist man sich zunächst sicher, einer klassischen, leicht variierten Science-Fiction-Problemstellung gegenüberzustehen, schwingt der Film später in eine teils surreale teils übernatürliche gar religiöse Richtung, ohne dabei aber dem Pathos zu verfallen oder belehrend zu werden.
All dies geschieht zu 95 Prozent innerhalb der vier Wände eines einzigen, kalten, wenig an Schauwerten bietenden Zimmers und es zeugt von der Qualität der Dialoge und der Inszenierung, dass trotz beschränkten Settings kaum Längen entstehen. Das nur aus vier Personen bestehende Personal trägt sein Übriges zum Gelingen bei: Heiner Lauterbach mimt einen Mitarbeiter des Kernforschungsinstitutes CERN, der nach einer Schicht am Teilchenbeschleuniger als Einziger der Forschergruppe das Labor wieder verlässt und hierauf von einem geheimnisvollen Ermittlerduo, gespielt von Max Tidof und Annika Blendl, in eben jenem kellerartigen Raum zu den Vorfällen befragt wird. Nach und nach scheint das Rätsel gelüftet zu werden, doch Bohn macht es dem Zuschauer nicht leicht und lässt seinen Plot mehr als nur einen Haken schlagen, bevor am Ende dem seltsamsten der vier Figuren, dem alles protokollierenden Stenografen Antoine, gespielt von Godehard Giese, die alles entscheidende Rolle zukommt.
Bohns Herzensprojekt - er inszenierte, schrieb, produzierte und verleiht den Film unabhängig - macht keine Kompromisse und scheut auch nicht vor den großen Existenz- und Glaubensfragen zurück. Doch weiß der Regisseur auch, was er seinem Publikum schuldig ist und packt seine Gedanken in ein unangepasstes und tiefgründiges (Gerichts-)Thrillerkostüm, das in dieser Art seinesgleichen sucht.
mahe.