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★★★★★
☆☆☆☆☆
Warum sind wir untreu?
Jenny - Bewertet am 01.12.2015
Zustand: Sehr gut
Linda ist 31 Jahre alt und hat alles, was man sich wünschen kann: eine intakte Familie, einen spannenden Job und einen liebevollen Ehemann und doch befindet sie sich mitten in einer Depression, ohne genau benennen zu können, was ihr fehlt. Ihre Ehe ist nicht mehr das, was sie sich davon erhofft hat… und die Routine, die Langeweile hat sich eingeschlichen, so dass Linda auf der Suche nach dem persönlichen Kick empfänglich für die Komplimente ihres ehemaligen Jugendfreundes Jakob wird. Schon bald befinden die beiden sich in einer exzessiven, Grenzen abtastenden Affäre und leben ihre Lust in diversen Hotelzimmern aus. Doch Linda spürt, dass sie Jakob nicht liebt, dass sie seine Ehefrau nicht verdrängen möchte und das ihre eigene Ehe mehr bietet, als die anregende leidenschaftliche Liaison mit dem Ex. Aber warum gelingt es ihr dann nicht, einen Schlussstrich zu ziehen?
Paulo Coelho zählt zu meinen Lieblingsautoren und ich war sehr gespannt auf das Buch, vor allem nachdem ich die zahlreichen „schlechten“ Kritiken gelesen habe, wollte ich wissen ob mir das Werk ebenso wenig gefällt. Doch ich wurde positiv überrascht. Es ist zwar nicht das beste Buch des Autors aber sowohl das Thema als auch die Auseinandersetzung mit diesem konnten mich überzeugen. Wie immer geht es um sehr philosophische Lebensfragen, um den Sinn hinter der eigentlichen Handlung, um die Gefühle, Ängste und Wünsche die sich hinter einem Ehebruch verbergen. Und auch viele ethische Grundsätze, wie sie in der Bibel stehen, findet man hier wieder – kontrovers besprochen aber gut nachvollziehbar beschrieben.
Die Protagonisten des Buches bleiben alle etwas blass, so dass es definitiv an Identifikationspotential fehlt, wobei das der Handlung nicht schadet, denn als Leser möchte ich auch nicht der betrogene Ehepartner oder der wilde Liebhaber und erst recht nicht die Frau in der Sinnkrise sein. Es ist eben eine Erzählung, über das Leben und seine Tücken, über die Ehe und ihre Stolperfallen, über das Verzeihen und den unerschütterlichen Glauben an die Liebe. An eine Liebe, die bestehen bleibt, weil sie nach eigenem Ermessen als wichtigstes Gut des Menschen befunden wurde.
Fazit: Ein Buch für alle Leser, die Interesse an der Thematik haben und sich gerne in philosophische Gedankengänge eingliedern. Dieser Roman verzichtet gänzlich auf eine Wertung des Geschehens, stellt auch kein heroisches Verhalten in den Mittelpunkt. Aber er berührt durchaus das Herz des Lesers, weil man sich nach der Lektüre unweigerlich die Frage stellt: „Warum bin ich selbst treu?“ Oder eben nicht … Wer Coelho und seinen Schreibstil mag, wird der Geschichte einiges abgewinnen können.
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☆☆☆☆☆
Kann man lesen, muss man aber nicht
Calypsa - Bewertet am 28.01.2015
Zustand: Sehr gut
Das Buch ist zwar sehr gut zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin, doch habe ich mir von meinem ersten Coelho eindeutig mehr versprochen. Untreue hat mich an sich ziemlich schnell angesprochen, es wurde etwas Interessantes versprochen, doch scheitert es gnadenlos an der Umsetzung. Dieser Roman… hat nichts Fesselndes an sich oder etwas, an das man sich auch im Nachhinein gerne erinnern würde, stattdessen war ich eher froh als ich endlich mit dem Buch fertig war. Es gab einige Stellen, bei denen ich mich anstrengen musste konzentriert zu bleiben, weil mir viele der Monologe zu weit hergeholt, von der Handlung ablenkend und unpassend erschienen. Hatte manchmal sogar das Gefühl, man wolle mich belehren. Muss jedoch auch sagen, dass es Abschnitte gab, die es geschafft haben mich zu überzeugen.
Eine wichtige Information, die meines Erachtens nirgendwo erwähnt wurde ist, dass Linda an einer Depression leidet. Und dabei weiß ich nicht einmal ob man es so benennen kann, denn das wird in diesem Roman nicht unbedingt behandelt, eher nur immer wieder erwähnt. Man hat als Leser schnell den Eindruck bekommen, dass mit Linda etwas nicht stimmt und auch ihre Gedanken kreisen immer wieder um ihren Zustand ohne, dass etwas Sinnvolles daraus entsteht und sie sich viel mehr die ganze Zeit über gedanklich im Kreis dreht.
Mir ist es trotz der Ich-Perspektive nicht gelungen eine Verbindung zu Linda aufzubauen, weil mir ihre Handlungen und Gedanken, teilweise durch die Krankheit bedingt, größtenteils sehr unlogisch erschienen und sie mir generell sehr unsympathisch war. Weder der Ehemann noch die Söhne werden namentlich genannt, von den Söhnen ist sogar im gesamten Buch vielleicht nur an die fünf Mal die Rede. Hätte man sie nach der ersten Seite nicht mehr erwähnt, wäre es ein leichtes gewesen zu vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Über Jacob König, ihre Affäre, erfährt man deutlich mehr als über ihre Familie, doch auch dieser konnte mich nicht für sich einnehmen. Die Nebencharaktere wurden eben nur oberflächlich dargestellt, sodass ich ihnen gegenüber gar keine Gefühle hegte.
Das Ende ist für mich das Ausschlaggebende für die Bewertung mit 'nur' zwei Sternen. Es kam viel zu abgehakt ohne einen Sinn zu ergeben, als hätte der Autor die maximale Seitenanzahl erreicht und müsste nun schnell eine Lösung für die Probleme finden. Zufriedenstellend war es keinesfalls und ich hätte wenigstens an diesem Punkt etwas mehr erwartet.
Fazit:
Ein Buch, das man lesen kann aber nicht unbedingt muss. Man würde, abgesehen von ein paar schönen Stellen/Sätzen, nicht viel verpassen.
Da ich aber schon gelesen habe, dass auch einige Coelho Fans von diesem Buch nicht begeistert sind, werde ich mir mal eins seiner früheren Werke durchlesen.