Wenn es donnert am Donnerstag, und das dürfte es nach allen Gesetzen der Kinowahrscheinlichkeit, dann ist Donnerstag ausnahmsweise einmal Sams-Tag. Dann nämlich, im Oktober, geht diese mit elf Millionen Mark budgetierte Kinoweltproduktion und erste Verfilmung der enorm beliebten Kinderbücher von Paul Maar an den Start, die als liebevolle, ganz kindgerechte und familientaugliche Adaption von der bereits existierenden Fangemeinde, vielleicht aber auch von Neu-Sams-oniten umarmt werden wird.
Mit Spannung wurde diese in Bamberg, Mallorca und Zürich gedrehte, von Paul Maar und Ulrich Limmer geschriebene Umsetzung der ersten drei Sams-Bücher erwartet, die seit 1973 zum festen Vergnügungsinventar vieler Familien zählen. Und das Ergebnis enttäuscht nicht, gefällt mit seinem märchenhaft kindlichen, aber auch frech-anarchischen Ton, der Belebung der vertrauten Figuren, unter denen gerade Sams-Darstellerin Christine Urspruch Zuspruch von den Kindern bekommen dürfte. Große Bedeutung wurde von den Autoren und Komödienneuling Regisseur Ben Verbong ("Eine unanständige Frau") dem Wiedererkennungswert der Vorlage beigemessen, womit nur wenige Änderungen an Handlungsläufen und Charakterisierungen vorgenommen wurden. So beginnt der Film mitten im Leben des schüchternen, von Chef und Vermieterin (Eva Mattes) getriezten Herrn Taschenbier, der dem rüsselnasigen Rotschopf Sams eher zufällig am Samstag vor die Füße läuft und das merkwürdige Fantasiegeschöpf dann nicht mehr loswird. Der freche vorlaute Allesfresser ist erst ein Nerventest für Taschenbier, dann aber eine wichtige Bereicherung seines Lebens, die den Träumer selbstbewusster und sogar zum Herzensbrecher der von ihm angebeteten Frau März (Aglaia Szyskowitz) macht. Ulrich Noethen ("Gripsholm") erweist sich als ausgesprochen sympathische und passende Besetzung für Taschenbier, wie auch Eva Mattes, die als Frau Rotkohl, einer entfernten Verwandten der Bissgurke aus Roald Dahls "Matilda", sowohl mit Gift als auch Herz gefällt. Das Kind, das Taschenbier nie sein durfte, findet seine späte Verwirklichung im Sams, dessen Fähigkeit, Wünsche erfüllen zu können, die Handlung vorantreibt. Die Realisierung des Wunschkatalogs ist dem Stoff entsprechend angemessen low tech, nicht Effekt-überladen und eine reduzierte Alternative zu den Reizüberflutungen der Computergames und Pokémon-Trips. Ob sich die Effekt-verwöhnten Kids heute damit zufrieden geben, werden die Startwochen zeigen. Das Zielpublikum im Rücken des Betrachters lachte jedenfalls herzhaft bei der Vorführung und das sollte in diesem Familien-Fall das Maß aller Dinge sein. kob.