Charmante Komödie über die Schwierigkeit des Alterns, die Jagd nach einem Sinn des Lebens und dem Hunger nach großen Gefühlen.
Normalerweise tickt die biologische Uhr mit Ende 30, mit 60 die biologische Uhr zurückdrehen möchte die Molekularbiologin Luise. Denn als ihr Chef und Ex-Lover sie an ihrem runden Geburtstag in den vorzeitigen Ruhestand entlässt und ihr die Konkurrentin zum Abschied ihre vor Jahren eingefrorenen Eizellen aus einem Forschungsprojekt überreicht ("frisch wie am ersten Tag"), malt sie sich ohne Job eine Zukunft als Mutter aus. Die eigene Mutter hält sie für total verrückt, aber Madame hat sich schon einen Samenspender im Internet ausgeguckt - jung, hübsch und intelligent, beste Gene. Ausgerechnet dessen Vater läuft ihr über den Weg, heftige Abneigung auf den ersten, wachsende Zuneigung auf den zweiten Blick. Aus dieser Konstellation macht Arthouseproduzentin Sigrid Hoerner ("September", "One day in Europe") in ihrem Regiedebüt kein schweres Identitätsfindungsdrama, sondern eine leichte Komödie über das Suchen und Finden der Liebe, Coming of Age mal ganz anders. Eine erfrischend charmante Iris Berben, die bösartige verbale Spitzen abschießt, und ein umwerfend komischer Edgar Selge als selbstverliebter Alt-Achtundsechziger mimen das Duo, das mit den Schwierigkeiten des Alterns kämpft, dem Sinn des Lebens nachjagt und dem Hunger nach großen Gefühlen. Der Zusammenprall von reifer Frau und (un)reifen Mann, die sich die Bälle zuspielen, ist ein gelungener Angriff auf die Lachmuskeln von Jung und Alt. Während der Galerist mit Hang zu Haarteil und Hexenschuss sich für einen tollen Hecht hält und beim überfallartigen Sex mit der Assistentin wie ein 16Jähriger mit Hormonstau aufführt und sogar die Zunge piercen lässt, spaziert "Miss Sixty" mit Pseudo-Schwangerschaftsbauch herum, übt auf dem Spielplatz Geduld und Sanftheit möglichen Mutterseins. Ganz nebenbei räumt der Film mit dem Vorurteil gegen künstliche Befruchtung und "alte" Mütter auf und macht sich lustig über Oldies, die sich mit jungen Mädels schmücken. Hoerner schafft die richtige Dosierung zwischen Komik und Ernsthaftigkeit und ein perfektes Timing. Sie verlässt sich nicht nur auf die beiden Hauptdarsteller, sondern kann auch auf tolle Sidekicks setzen, allen voran Carmen-Maja Antoni als dominantes Muttertier, die ihre erwachsene Tochter nie ganz losgelassen hat, und Michael Gwisdek als weltklugen Bonvivant. Forever young. mk.
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