Romanverfilmung in faszinierendem 3D über einen außergewöhnlich wissenschaftlich begabten Jungen und seine Abenteuerreise quer durch Amerika.
Kein Wunder, dass sich der Vater von Amélie Poulain ("Die fabelhafte Welt der Amélie") von Reif Larsens Erfolgsroman hingerissen zeigte, der die kindliche Fantasie mit wissenschaftlichem Denken mixt. Der zwölfjährige T.S. Spivet ist ein Held, der perfekt in Jean-Pierre Jeunets Universum grenzenloser Imagination passt. Der hochbegabte kleine Kerl lebt mit seinen Eltern und der älteren Schwester auf einer idyllischen Ranch in Montana. Seine technische Entwicklung, eine Art Perpetuum Mobile für gesellschaftliche Prozesse, bringt das Smithsonian Institut in Washington dazu, ihn mit dem renommierten Baird Price für Innovation auszuzeichnen, allerdings in Unkenntnis seines Alters. Um den Preis persönlich entgegenzunehmen, macht sich der Knabe heimlich auf den Weg in die ferne Bundeshauptstadt. Eine Initiationsreise, die ihn durch ein Postkarten-Amerika führt, wo der Himmel blau, die Wiesen grün und neben einigen Bösewichten, die nur an Ruhm, Geld und Fernseh-Promotion interessiert sind, der Großteil der Menschen während des abenteuerlichen Zug-Trips sich durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft auszeichnet. (Gedreht wurde übrigens bis auf Außenaufnahmen von Chicago und Washington in Kanada).
Jeunet vermittelt die Atmosphäre des Romans intensiv und inszeniert trotz aller Distanz zur Hauptfigur ein anrührendes Roadmovie, was vor allem an der verzaubernden Leinwandpräsenz von Kyle Catlett als Mini-Einstein liegt, dessen Talent von Lehrern und Familie ignoriert wird, der wachen Auges durch Amerika vagabundiert, den konservativen Honoratioren bei der der Preisverleihung die Leviten liest und in einem Moment der Wahrheit ein dunkles Geheimnis und verschwiegenes Trauma öffentlich macht. Dass die Schurken im Reality-TV sitzen, ist ein netter Schlenker auf die Macht der Medien und dass Vater und Mutter gegen Moderatoren und sonstige Einflüsterer Front machen und die Familie zusammenfindet, wohl der US-Familienideologie geschuldet. Neben der grandiosen Kamera von Thomas Hardmeier, der die Landschaften in magisches Licht taucht, sorgen Helena Bonham Carter und Callum Keith Rennie als Eltern, Judy Davis als süß-saure Wissenschaftlerin mit Faible für TV-Glamour in dieser französisch-kanadischen Koproduktion für schauspielerische Highlights. mk.
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