Auf Festivals längst ein gern gesehener Gast, gilt es den Koreaner Kim Ki-duk in Deutschland noch zu entdecken. In seinem vierten Spielfilm "The Isle" erzählt der Autorenfilmer in wunderschönen, surreal anmutenden Bildern von einer tragischen amour fou. Ruhig im Ton, radikal und bisweilen geradezu erschreckend auf der Handlungsebene, scheint diese Produktion fürs aufgeschlossene, am fernöstlichen Kino interessierte Arthouse-Publikum geradezu maßgeschneidert.
Vom harten Los (vieler) seiner Landsleute und deren tagtäglichen Kampf ums nackte Überleben berichten die Filme des 1960 in der Nordprovinz Kyonsang geborenen Koreaners Kim Ki-duk. Aber auch die (weibliche) Sexualität, wie zuletzt im prämierten "Birdcage Inn" (1998), stellt der hochtalentierte Regisseur gern ins Zentrum seiner Arbeiten. Diese beiden Themen treffen nun in "Seom" - so der Originaltitel - aufeinander und ergeben eine Art Zwischenbilanz seines bisherigen Schaffens.
An einem entlegenen See in Südkorea lebt Hee-Jin (mysteriös & verführerisch: Seoh Jung), die ihren Lebensunterhalt damit verdient, dass sie Hobbyfischern auf deren gemieteten Hausbooten mit Lebensmitteln versorgt und gegen einen kleinen Aufpreis auch ihren Körper zur Verfügung stellt. Da taucht eines Tages Ex-Polizist Hyun-shik (melancholisch & schweigsam: Kim Yu-seok) auf, der einen Eifersuchtsmord begangen hat und sich auf der Flucht befindet. Als der junge Mann in seiner Verzweiflung versucht, sich umzubringen, indem er Angelhaken schluckt, wird er von Hee-Jin in letzter Minute gerettet - der Beginn einer selbstzerstörerischen Leidenschaft...
Wenig bis kein Dialog, surreal anmutende Impressionen einer nebelumwobenen (Traum-)Landschaft, eine präzise entwickelte, vom Regisseur selbst verfasste Story und sorgsam gezeichnete Charaktere - das sind die Grundfesten, auf denen Kims anrührendes Kammerspiel ruht, das in seiner Einfachheit stellenweise an die Werke des radikalen japanischen Stilisten Yasujiro Ozu erinnert. Geradezu hypnotisch dabei das Spiel Seoh Jungs, die mit ihrer magischen Leinwandpräsenz den Zuseher in ihren Bann schlägt und dadurch mühelos begreifbar macht, warum Hyun-shik ihr mit Haut und Haaren verfällt. Die wunderbar ruhig komponierten, stellenweise gar meditativen Bilder des Kameramanns Hwang Suh-shiks stehen im harten Gegensatz zum explizit sado-masochistischen Liebesverhältnis des Paares. Eine Szene, in der erneut Angelhaken eine zentrale Rolle spielen, erfordert vor allem vom weiblichen Publikum eiserne Nerven und trägt nicht unerheblich dazu bei, dass einem "The Isle" bereits nach dem ersten Sehen nachhaltig in Erinnerung bleibt. Bleibt nur zu hoffen, dass das (aufgeschlossene Arthouse-)Publikum den Mut des regen Filmverleihs REM würdigt, dieses kleine, radikale, innovative und zugegebenermaßen nicht leicht verdauliche Kunstwerk hierzulande in die Kinos zu bringen. geh.