Französischer Komödienkracher über den heiklen Tanz durchs interkulturelle Minenfeld, nationale Klischees, vier Hochzeiten und eine Depression.
Willkommenskultur à la française. Da ist sie, die "Familie Benetton", tuschelt ein Nachbar, während der bürgerliche Patriarch Claude mit Gattin und seinen Töchtern nebst Schwiegersöhnen zur Weihnachtsmesse schreitet. So richtig wohl ist dem angesehenen Notar nicht in der Haut. Denn seine Mädels mit Faible fürs Exotische heirateten keine netten französischen Katholiken, sondern einen Moslem, einen Juden und einen Chinesen. Das führt zu prekären Situationen bei Familientreffen, nicht nur die Eltern tappen ins rassistische Fettnäpfchen, auch die Multi-Kulti-Herren untereinander nehmen kein Blatt vor den Mund, hauen sich Klischees und auch schon mal Fäuste um die Ohren dass Muttern eine Depression kriegt. Als dann noch die Jüngste den katholischen, aber tiefschwarzen Verlobten anschleppt und dessen Mischpoke von der Elfenbeinküste zur Trauung anrückt, prallen nationale Ressentiments hart aufeinander.
Mit 20 Prozent Ehen zwischen Partnern verschiedener Herkunft und Religion ist Frankreich Weltmeister in puncto Mischehen, Ausgangspunkt für Philippe de Chauverons witzige Komödie, die in den ersten Wochen bereits bei acht Mio. Zuschauern die Lachmuskeln kitzelte und auf den Erfolg von "Ziemlich beste Freunde" zusteuert. Vorurteile und Rassismus? Aber doch nicht bei mir, meint der aufrechte Vater und Gaullist aus der pittoresken Provinz und weist solche Vorwürfe weit von sich. Und genau mit dieser Diskrepanz spielt dieses bis in die letzte Nebenrolle optimal besetzte Film-Feuerwerk, überzeugt mit scharfen und pointierten Dialogen ("drei Immigranten und ein Schwarzer, das ist Fukushima für die Eltern") beim Countdown zur letzten Hochzeit. Alle Beteiligten fühlen sich als echte Franzosen im bourgeoisen Milieu, der Moslem ist Anwalt, der Chinese Bankier, der Jude zukünftiger Unternehmer und der Farbige Comedian. Beim gemeinsamen Schmettern der Marseillaise kriegt sogar der Schwiegerpapa eine Gänsehaut.
Den Repräsentanten des Alten Frankreich verkörpert Christian Clavier als sympathischer Bonvivant zwischen Zynismus und Lebensfreude, dem irgendwann bei Beschneidungsritualen und koscherem Essen der Kragen platzt und der entfernt an den fulminanten Louis de Funès erinnert und "Die Abenteuer des Rabbi Jacob" aus dem Jahre 1973, nicht umsonst klingelt ein Handy mit der Filmmusik. Trotz des brisanten Themas ist "Monsieur Claude" kein verkniffenes soziales Lamento, sondern bis zur letzten Minute eine leichtfüßige und charmante gesellschaftliche Gratwanderung mit genauem Timing und herzerfrischender Bosheit in einem Frankreich der Gegensätze. Bunter und besser geht's nicht. mk.
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