Aus 2 Bewertungen zu Das Mädchen, das rückwärts ging
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☆☆☆☆☆
Das Mädchen, das rückwärts ging
Miss.Mesmerized - Bewertet am 02.05.2015
Zustand: Sehr gut
Es war Beths größte Sorge: eines Tages ihre Tochter Carmel zu verlieren. Und nun geschieht genau das. Beth ist verzweifelt, die Polizei arbeitet mit Hochdruck, kann die 8-jährige aber nirgendwo finden, der getrennt lebende Vater kann auch nur schwer mit der Situation umgehen. Unterdessen redet ein… älterer Mann Carmel ein, ihr Großvater zu sein und dass ihre Mutter nach einem Unfall schwer verletzt und nicht ansprechbar sei. Mit seiner Lebensgefährtin Dorothy kümmert er sich in einem abgeschiedenen Haus um sie. Zwar hegt die Kleine Zweifel, aber was soll sie schon tun? Auch als man sie von England in die USA bringt und sie dort mit zwei weiteren Mädchen und dem Paar in einem Trailer umherreisen soll, ist sie zwar skeptisch, kann den Geschehnissen aber nicht wirklich etwas entgegensetzen. Noch hat sie den Plan ihres vermeintlichen Großvaters nicht durchschaut, aber als sie erfährt, dass es vor ihr schon einmal ein Mädchen gab, das plötzlich verschwunden war, mehren sich ihre Sorgen.
Ein beachtenswertes Buch, das für mich vor allem bei der Darstellung des Seelenlebens der Figuren gewinnt. Erzählt wird lose abwechselnd aus der Perspektive von Carmel und Beth, die jeweils nichts vom Schicksal der anderen wissen und so den Leser in die unsägliche Situation bringen, hilflos mit anzusehen, wie beide unter der Situation leiden. Vor allem die Darstellung aus Sicht des Mädchens hat mir gut gefallen, sprachlich wie auch sinnlogisch hat die Autorin die Gedanken eines jungen Mädchens überzeugend zu Papier gebracht. Auch die Entwicklung, die Carmel im Laufe der folgenden Jahre nimmt, ist nachvollziehbar geschildert und wirkt authentisch und glaubhaft. Das Arrangieren im neuen Leben unter den veränderten Umständen und doch der latent immer vorhandene Wunsch nach Rückkehr zu dem, wie es vorher war. Ebenfalls gelungen, das langsame Entfalten des Motivs der Entführer; man rätselt als Leser, was dahinterstecken mag, formt Theorien, die erst spät durch die Erzählung Gestalt annehmen, wenn Carmel so weit ist, das Ausmaß ebenfalls verstehen zu können.
Fazit: Besonders die erste Hälfte ist für mich sehr stark und gelungen, dann kommt es zu einigen Längen, die jedoch dem Lesespaß nur geringfügigen Abbruch tun.
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☆☆☆☆☆
Bewegend aber zu spirituell, um wirklich glaubhaft zu sein
mrs-lucky - Bewertet am 27.04.2015
Zustand: Sehr gut
„Das Mädchen, das rückwärts ging“ erzählt eine tragische und bewegende Geschichte, im Verlauf gewinnen jedoch spirituelle Themen eine zu große Bedeutung und nehmen dem Buch viel an Glaubhaftigkeit.
Das Buch ist nicht einfach zu rezensieren, ohne zu viel zu verraten, aber ich werden dennoch… versuchen, meine Meinung abzubilden.
Es ist eine Geschichte über das besondere Verhältnis und die besondere Verbindung zwischen Mutter und Tochter. Beth lebt nach der Trennung von ihrem Mann Paul allein mit ihrer Tochter Carmel in einem kleinen Häuschen in Norfolk in England. Carmel ist ein intelligentes Mädchen, wirkt mit einigen ihrer Gedanken reifer als andere 8-jährige, ist auf der anderen Seite aber oft verträumt und vergisst neben sich die Wirklichkeit.
Das Buch gibt abwechselnd Einblicke in die Welt und die Sichtweise von Beth und Carmel. Gerade anfangs sind die Stimmungsbilder sehr intensiv, Mutter und Tochter schildern sehr emotional ihre Eindrücke von ihrem Leben und ihren Unternehmungen. Erstaunlich sind ihre teils sehr unterschiedlichen Empfindungen und Wahrnehmungen.
Nachdem Beth ihre Tochter bei dem Besuch eines Irrgartens bereits einmal verloren glaubte, passt sie besonders auf Carmel auf. Doch diese versteht die Einengung durch ihre Mutter nicht, und während eines Geschichtenfestivals passiert es dann, im Gedränge und im Nebel verlieren sich die beiden, Beth verzweifelte Suche bleibt erfolglos.
Die Last dieses Verlustes lähmt Beth und treibt sie gleichzeitig zu einer unermüdlichen Suche an. Beth Nöte und Ängste werden in einer sehr bildhaften Sprache eingefangen, der Leser leidet und hofft mit ihr.
Im weiteren Verlauf nehmen in der Geschichte jedoch spirituelle Themen einen für meinen Geschmack zu großen Raum ein. Christliche Sekten spielen ein große Rolle und beispielsweise Wunderheilungen. Damit kann ich persönlich nichts anfangen und die Themen werden für mich zu wenig kritisch beleuchtet. Die Figuren werden dadurch für mich weniger glaubhaft, ich kann mich nicht mehr mit ihnen intensivieren. Das mag auch am Aufbau des Buches liegen, der Momentaufnahmen aus dem Leben der Hauptfiguren abbildet und wenig Raum für Erklärungen lässt.
Trotz der Intensität der Bilder und Stimmungen, bleibt das Buch an vielen Stellen oberflächlich und lässt am Ende einige Fragen offen, nach einem sehr starken Einstieg hat es mich im Verlauf doch eher enttäuscht.