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★★★★★
☆☆☆☆☆
Die Grimkés und die Sklaverei
Silvia - Bewertet am 26.03.2015
Zustand: Sehr gut
Im Gegensatz zu der Lesprobe, habe ich das Cover im Laufe des Lesens wirklich lieb gewonnen, dezent mit gelben und weißen Streifen, darauf schwarze Vögel. Schwarzdrosseln wie man im Buch erfährt. Sie stehen für Freiheit oder zumindest für die Hoffnung auf Freiheit.
Das Buch beginnt mit einem… Kapitel über Hetty "Handful" Grimké. Sie ist ein zehn jähriges Sklavenmädchen und lebt mit ihrer Mutter und anderen Sklaven auf dem Anwesen der Familie Grimké. Eine sehr angesehene Familie mit Plantagenbesitz. Dieses Mädchen ist durch ihre lockere Art und ihr "loses" Mundwerk sehr witzig und gleichermaßen sympathisch. Allerdings fängt sie sich öfter eine Ohrfeige für ihre Bemerkungen ein. Ganz offensichtlich war sie nicht so, wie man es von einem Sklaven damals erwartet hat.
Im zweiten Kapitel geht es dann um Sarah Grimké. Sarah ist die mittlere Tochter des Plantagenbesitzers und sticht nicht nur mit ihrem Äußeren, den roten Harren und den Sommersprossen hervor, sondern auch durch ihre Wissbegierigkeit und dem Ablehnen der typischen "Damenhaftigkeit", die sie erlernen soll. Sie will mehr werden als ihre Mutter, ihr Traum ist Anwältin zu werden. Doch in dieser Zeit scheint es unmöglich, denn Frauen blieben zuhause und Männer gingen arbeiten.
An ihrem elften Geburtstag bekommt Sarah von ihren Eltern Hetty als "Geschenk". Doch anstatt, wie von ihren Eltern erwartet, sich zu freuen, versucht sie dieses Geschenk abzulehnen. Sie versucht sogar durch einen Freibrief Hetty die Freiheit zu schenken, leider vereitelt Sarahs Mutter den Versuch.
Sarah sucht ihren Platz im Leben, ihre Bestimmung, denn Anwältin zu werden bleibt nur ein Traum, trotzdem will sie sich weiter für die Sklaven einsetzen. Dies tut sie dann unermüdlich mit ihrer jüngeren, mutigeren Schwester.
Die Kapitel wechseln stetig zwischen den beiden Mädchen, jeweils aus der Ich- Perspektive. Der Schreibstil ist leicht und flüssig und auch die Charaktere sind sehr schön beschrieben.
Vor allem Hetty habe ich ins Herz geschlossen, aber ich bewundere auch die Grimké - Schwestern für ihre Hartnäckigkeit und ihren Mut. Zumal dieses Buch historischen Begebenheiten entspricht. Eine Stelle fand ich so traurig, dass ich sogar nasse Augen bekommen habe. Die Stelle an der Hetty ins Arbeitshaus kommt und dort schreckliche Dinge sehen muss.
Es ist ein sehr schönes Buch über eine "unmögliche" Freundschaft und das Wunder von Möglichkeiten, wenn man die Welt anders sieht, als von einem erwartet wird. Vor allem, wenn man sich nicht dem wortlos fügt, was einem vorgeschrieben wird.
Ich konnte gar nicht aufhören zu lesen und kann das Buch von Herzen weiterempfehlen.
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☆☆☆☆☆
Freiheit durch Blut und Tränen hart erkämpft
Barbara - Bewertet am 09.03.2015
Zustand: Sehr gut
Wahre Begebenheiten und Persönlichkeiten in der Geschichte der Abolitionsbewegung und der Frauenrechtsbewegung haben Sue Monk Kidd zum Schreiben dieses Romans animiert.
Es geht um die Schwestern Sarah und Angelina Grimké aus Charleston/ South Carolina, die auf einer Plantage mit Herrenhaus und… Sklaven zu Beginn des 19. Jahrhunderts groß werden. Zum 11. Geburtstag bekommt Sarah die farbige Hetty (Handful) als persönliche Sklavin geschenkt. Sie erkennt diese Ungerechtigkeit der Sklaverei und möchte Hetty die Freiheit schenken. Doch ihre Eltern verweigern ihr den Wunsch. Als persönliche Rache und aus Freundschaft zu Hetty bringt Sarah ihr Schreiben und Lesen bei, was verboten ist. Im weiteren Verlauf wird das harte Schicksal von Hetty, ihrer Mutter Charlotte und weiteren Sklaven geschildert. Als Ausdrucksmittel und als Ersatz von Schrifttum näht Charlotte Quilts, die mit Bildern ihre Geschichte und die afrikanischen Traditionen bewahren sollen. Es sind bildhafte Denkschriften, die auch an ein Leben in Freiheit in Afrika erinnern.
Sarah versucht sich für die Freiheit und Gleichheit von Sklaven einzusetzen und möchte Anwältin werden, doch sie scheitert schon daran, dass Frauen zu der Zeit auch keine Rechte besassen. Frauen waren ebenfalls wie Schwarze rechtlos. Sie durften nicht wählen und vor Gericht aussagen. Verzweifelt zieht sie in den Norden, wird Quäkerin und verzichtet auf eine Ehe, die sie unselbständig machen würde und wird gemeinsam mit ihrer Schwester Angelina eine Rednerin und Publizistin der Abolitionsbewegung.
Hetty, ihre Mutter und Halbschwester Sky dagegen erdulden viele körperliche und seelische Grausamkeiten in ihrem Leben, obwohl sie mit ihrer Arbeit als Schneiderin und Gärtnerin wahre Wunder vollbringen und Meister ihres Fachs sind. Ihre Geschichte verdeutlicht, welche schrecklichen Strafen angewendet wurden, sei es in der sogenannten Tretmühle, beim Auspeitschen oder mit dem Anlegen eines eisernen zinkenbewehrten Maulkorbes. Tief erschüttert und beschämt ob dieser Torturen liest man und ist entsetzt.
Die Autorin bedient sich einer eindeutigen wunderbaren Sprache, die den Leser mitnimmt auf eine emotionale Reise, ein Eintauchen in die Welt der Sklaverei und ein Abwenden davon durch die Schilderung der Abolitionsbewegung stellvertretend durch Sarah und Angelina Grimké. Das Bilden und Wachsen von Flügeln zur Freiheit ist die Grundaussage dieses einzigartigen Romans.
Völlig ergriffen und tief beeindruckt hat mich dieser Roman und er verdeutlicht die Wichtigkeit des Eintretens für die Rechte anderer Menschen aufs Dringlichste. Ein ganz großer Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Meisterhaft umgesetzt und noch lange nachhallend in seiner Aussage.