Leidenschaft brennt tief, Beine und Röcke aber fliegen hoch in dieser energiegeladenen Verfilmung eines Musicals, das Broadway-Geschichte schrieb. Seit der sensationellen Premiere 1975 gab es zahllose Aufführungen und Preise, und "Chicago" ist bis heute eines der weltweit erfolgreichsten Musicals.
Jetzt endlich ist auch im Kino die Zeit reif, dem Rausch der Zwanziger, der Verführung von Glamour und Erotik nachzugeben. Champagner, Charleston, Leinwand frei also für den Kampf zweier Showgirls um Ruhm, Männer und Überleben.
Velma (Catherine Zeta-Jones), die Attraktion der Nachtclubs, ist bereits ein Star. Sie wird zum tödlichen Vulkan, als sie ihren Mann mit ihrer Schwester überrascht. Vom glamourösen Leben eines Showgirls träumt Roxie (Renée Zellweger). Sie will tanzen, singen, berühmt sein und dafür alles geben. Als ihr Lover jedoch nur sein Triebleben, nicht aber ihre Karriere fördern will, bestraft sie ihn mit einer Kugel.
So begegnen sich das Idol und ihr Fan im Knast - als Mörderinnen, die beide vom gerissenen Anwalt Billy Flynn (Richard Gere) verteidigt werden. Durch ihn wird aus den Prozessen ein Medienspektakel, eine Show, in der ein Meistermanipulator die Jury umtanzt und das Recht im Steppschritt mit den Füßen tritt.
Nach der tragischen Romantik von "Moulin Rouge" wirbelt "Chicago" vor purer Lebenslust. Das Sensationelle dabei: die Stars singen und tanzen alle Musical-Einlagen selbst, und der Spaß daran springt förmlich auf den Zuschauer über. Catherine Zeta-Jones, die schon als Teenager in Musicals auftrat, ist erwartet unwiderstehlich als Tanzluder, das die Show mit "All that Jazz" eröffnet.
Die eigentlichen Überraschungen aber liefern Richard Gere, der unbekanntes Terrain leichtfüßig erobert, und natürlich Renée Zellweger. Die Königin der Kinodiäten ("Bridget Jones") glänzt als Showgirl, das aus dem Schatten ins Rampenlicht tritt und ihren großen Traum lebt.
Getarnt als süße Unschuld, die wie ihre Rivalin auch Krallen ausfahren kann. Dieses Duell ist das Herz von "Chicago", der Rest ist Glanz in Musik und Tanz. Lange Zeit ging das Filmmusical in die Knie, jetzt geht es endlich wieder in die Beine.