Freundschaft, Liebe und Verrat in einer Dreiecksgeschichte in Berlin-Kreuzberg, mit bemerkenswert atmosphärischem Kino-Atem inszeniert und der genau richtigen Prise Realismus versetzt. Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler schafft Thriller-Spannung und Krimi-Ambiente im deutsch-türkischen Polizei- und Drogenmilieu. Ein bisschen Großstadtwestern und ein Touch Gangsterfilm nicht nur für ein jugendliches Publikum, sondern für Kinofans überhaupt.
Der 36-jährige Martin Eigler ist Absolvent der Berliner Filmhochschule dffb, und "Freunde" ist sein erstaunlicher Abschlussfilm. Er ist bemerkenswert souverän inszeniert und trotzdem nie routiniert, nie glatt, sondern hier und da auch mal erfrischend gar nicht perfekt, wenn das Hin und Her von Undercover-Auftrag und Freundschaft, Vertrauen und Zweifel, Bespitzeln und Aufrichtigkeit in Montage, Rhythmus und Timing ein wenig überfrachtet daherkommt. Eigler, der TV-Dokumentationen und mehrere Regieassistenzen bei Matthias Glasner und Dominik Graf gemacht hat, ist also keineswegs unerfahren an seinen ersten abendfüllenden Spielfilm herangegangen. Und er hat eine große Lust, Geschichten von Menschen hier und heute zu erzählen, spannend in eine Genre-Geschichte fürs Kino verpackt. Zwei Männer und eine Frau, die klassische Konflikt-Konstellation, hat er zusammen mit Sönke Lars Neuwöhner zu einem griffigen Drehbuch geschrieben, das mit der stimmigen Besetzung einfach nicht schief gehen konnte. Benno Fürmann ist der Polizist, der bei einer Razzia in der Bar seines türkischen Jugendfreundes ein belastendes Heroin-Paket verschwinden lässt. Nils und Tayfun (den Erdal Yildiz mit wunderbar differenziert emotionalen Zwischentönen spielt) hatten sich jahrelang nicht gesehen, seit das Mädchen Caro (Christiane Paul) sich nicht zwischen den beiden Freunden entscheiden konnte. Jetzt ist die Freundschaft einer neuen schicksalhaften Zerreißprobe ausgesetzt. Die Polizei findet heraus, dass Nils Tayfun geholfen hat, und zwingt ihn, als V-Mann gegen den Türken zu ermitteln, während sie ihn offiziell vom Dienst suspendiert. Nichts wird mehr so sein wie früher, und die Situation spitzt sich mehr und mehr zu, bis sie sich in einer furchtbaren Explosion entlädt. Und am Ende holt der Film zu einer großen melancholisch romantisch heroischen Kino-Geste aus, die sich durchaus mit Melville oder Mervyn LeRoy messen kann. Benno Fürmann zeigt Noir-Qualitäten dank Martin Eiglers schwarzem Regie-Talent, das hier auch andere Berlin-Bilder als die sattsam bekannten provoziert. "Freunde" ist ganz einfach spannendes Kino. Aus Deutschland. fh.